Von Lena Fleischer
Künstler auf "Spuren"-Suche in Spanien / Ausstellung bis 15. August
Der vierte Teil der Ausstellungsreihe "Ansichtssache(n)" des Binger Kunstkreises führt auf die Iberische Halbinsel und zeigt unter dem Titel "Spuren" Arbeiten von in Spanien lebenden Künstlern oder Freunden des Kunstkreises. Wie gemacht also fürs nh-Hotel, in dessen Foyer und Bar die Werke zu sehen sind - gehört es doch zum spanischen nh-Konzern. Auch Hoteldirektor Fabian Sempf freute sich, die neue Ausstellung eröffnen zu können: "Die bisherigen Ausstellungen des Kunstkreises fanden enormen Zuspruch der Binger und auch der Landesgartenschau-Besucher." Wer bis 15. August ins Hotel kommt, der kann Arbeiten von fünf Künstlern sehen. Dazu zählt Marianne Dillmann, die ihre Werke per Seefracht von Mallorca nach Bingen transportieren ließ, zählt sie doch zu den Mitbegründern des Kunstkreises, hat aber die Insel als zweite Heimat gewählt. Denn nicht nur Pianist Frédéric Chopin und Schriftstellerin George Sand lockte 1838 die Insel, auf der beide einen Winter verbrachten - Mallorca zieht auch heute noch Künstler an, die das Klima genießen und sich vom Meeresrauschen inspirieren lassen. Von Dillmann sind im nh-Hotel kleinformatige Aquarelle zu sehen, wo sich Formen "fast von selbst" entwickeln, wie Franz Toth vom Kunstkreis fand: "Als ob die Farbe macht, was sie will". Er lud die Besucher ein, die Abbildung aus ihrer normalen Bedeutung herauszunehmen, damit sie in die Spannung des Bildes hineingenommen werden kann. "Ein Bild kann uns gefallen oder nicht, aber wir müssen uns darauf einlassen und genau hinschauen", betonte Toth. Die großformatigen Werke Amador Vallinas waren zum Teil im Hotel nicht zu hängen. Darum sind vom auf Mallorca lebenden Künstler, der sich im Rhein-Main-Gebiet einen Namen gemacht hat, nur wenige Arbeiten zu sehen, allesamt von Dunkel bis Ocker. Eine "Räumlichkeit, die beinahe ins Kosmische übergeht", entdeckte Toth darin, der klar machte, dass jede ästhetische Wahrnehmung eines Werkes zugleich Gestaltung sei. Die Bingerin Roswitha-Lucia Linde lebt seit einigen Jahren in Altea, einem Städtchen nördlich von Alicante. Sie schwärmt von ihrer Wahlheimat als "Künstlerstadt" und dem Blick von ihrer Terrasse aus, der auf Seidenmalerei gebannt im Hotel zu sehen ist. Doch nicht nur spanische Motive hat sie mitgebracht, neben Stier und Torero taucht der Alte Binger Kran auf. Zum allerersten Mal traut sich Camilla Huisgen de Sastre, ihre Bilder einem Publikum zu zeigen. Die Berlinerin, die vor 22 Jahren nach Mallorca umgesiedelt ist, wurde von Dillmann und Vallina ermutigt. Alle leben im kleinen Dorf Soller, wohin die uralte Eisenbahn ihre Fahrgäste schnaufend ab Palma befördert. Dort arbeitet die Grafikerin Huisgen de Sastre an ihren Bildern, die ausschließlich Rosen zeigen - in all ihrer Duftigkeit und Lebendigkeit . "Ich stelle mich nicht so gern als Künstlerin dar", sagt sie bescheiden, die extra der Vernissage wegen ans Rhein-Nahe-Eck gekommen ist. Auf der kanarischen Insel Teneriffa entstanden die Fotos des in Ingelheim lebenden Fotodesigners Michael Schlotterbeck, der entdeckt hat, dass "das Meer wie ein Spiegel" wirkt und nachvollziehen kann, warum Künstler des Lichts wegen gen Süden gewandert sind. Alltägliches wird in seinen Bildern besonders, ein Perspektivenwechsel sorgt für Überraschungen. So erkannte auch der Fotograf Toth augenzwinkernd an: "Manche Bilder ärgern mich, wenn sie nicht von mir sind."

