Firmen investieren in Weiterbildung
17.09.2010 - BINGEN
Von Erich Michael Lang
VHS Kursangebote zum Teil schon in den Unternehmen / Integrationsarbeit als weiterer Schwerpunkt
Immer mehr Unternehmen entdecken das Angebot der Volkshochschule (VHS) als Möglichkeit, Qualifizierung und Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter voran zu bringen. „Der Anspruch an die eigene Weiterbildung wächst stetig. Das betrifft auch die berufliche Weiterbildung. Die Teilnehmer wählen gezielt auch zertifizierte Lehrgänge aus“, schildert VHS-Leiter René Nohr die Entwicklung. Dabei werden schon lange nicht mehr nur einzelne Mitarbeiter für Weiterbildungsmaßnahmen ausgewählt; inzwischen sind auch ganze Kurse gebucht. „Die Unternehmen nutzen zunehmend die Angebote. Wir gehen auch raus in die Betriebe. Für einen Großkunden beispielsweise organisieren wir jede Woche eine EDV-Schulung“, sagt Nohr. Der extrem rasche Wandel in allen Branchen zusammen mit rasanter technologischer Entwicklung und neuen Anforderungsprofilen machten Weiterbildung inzwischen unverzichtbar. „Es geht gar nicht mal mehr darum, wie früher, durch Weiterbildung voran zu kommen. Weiterbildung ist allein schon notwendig, um zumindest das Level zu halten“, unterstreicht Nohr.
Am 17. September ist wieder Semestereröffnung. Der Katalog der VHS-Angebote in Bingen ist so dick wie das Vorlesungsverzeichnis einer mittelgroßen Universität. 20 000 Unterrichtsstunden in 500 Kursen werden pro Jahr geleistet. „Wir könnten sogar schon noch mehr machen, aber wir sind hart am Limit“, so Nohr. Denn mit der Vielfalt steigt auch das Beratungsbedürfnis der Kursteilnehmer. Auch dabei steht die berufliche Orientierung im Zentrum: Was qualifiziert für eine bestimmte Tätigkeit, wie kann die Karriere gegebenenfalls sinnvoll flankiert werden? Dabei zählt es zum Selbstverständnis der VHS Bingen, auch das eigene Profil zu schärfen. „Im Standardprogramm sind alle gleich. Wir versuchen aber auch, Schwerpunkte heraus zu bilden. Zum Beispiel im Bereich der Integrationskurse der Wiedereinstieg für Migrantinnen. Da sind wir schon stolz darauf, dass alle Kursteilnehmerinnen ihren Computerpass geschafft haben und sogar besser abschnitten als manche deutsche Teilnehmerin.“ Die gute Integrationsarbeit ist für Nohr zum einen Ausdruck eines gut funktionierenden Netzwerks in der Stadt. Zugleich wartet die VHS aber sozusagen auch nicht hinterm Ladentisch auf Kundschaft, sondern geht raus in die Stadt und unter Menschen. „Wir sind bei jedem interkulturellen Fest dabei“, so Nohr. Die intensive Arbeit zahlt sich aus. Die VHS wird als offenes Haus empfunden, das Angebot spricht sich herum und einer Kursteilnahme folgt oft die nächste. „Die Kursteilnehmerinnen kommen hierher, sehen unser Programm und nun hat die Musikschule beispielsweise auch Kinder aus Migrantenfamilien.“
Schwierig bleibt es generell, an bildungsferne Schichten, die wenig Geld besitzen, heran zu kommen. „Aber das ist unser Kerngeschäft, das ist unser gesellschaftlicher Auftrag“, sagt Nohr. Dieser Auftrag kann dann auch bedeuten, mit dem Infobus vor den Globus nach Gensingen zu fahren, um Zielgruppen zu erreichen. „Es ist anstrengend, aber es geht nicht anders“, unterstreicht der VHS-Leiter. Alle Bildungseinrichtungen ziehen dabei nach Nohrs Einschätzung an einem Strang. „Wir kooperieren auch wirklich mit allen, die nicht davon laufen“, scherzt Nohr. Weil das Geschäft wächst, wird gegenwärtig über die zusätzliche Nutzung von drei Räumen in der Grundschule verhandelt. Die Vielfalt braucht Platz. „Jede Weiterbildung bringt einen persönlich weiter. Auch das afrikanische Trommeln; das befreit und man ist einfach einen Schritt weiter. Deshalb brauchen wir auch so ein Angebot.“ . Kommentar

