Entenbach wird aus Röhre befreit
08.09.2010 - BÜDESHEIM
Von Christine Tscherner
AUSSCHUSS Ja zur Planung von Grünachse quer durch Büdesheim
Weg mit der Betonröhre: Der Entenbach soll grüne Lunge im Stadtteil werden. Die Hürde sind Grundstückskäufe. Der Haupt- und Finanzausschuss gab grünes Licht für Grunderwerb und Planung in Teilstücken. Kalkulierte Kosten insgesamt: Rund eine Million Euro.
Früher wuschen die Büdesheimer Frauen im Entenbach ihre Wäsche und sein Wasser trieb Mühlen an. Das Bächlein fließt heute schnurgerade in einer Beton-Rinne und teilweise unterirdisch Richtung Nahe.
Die Büdesheimer kennen das Rinnsal oft als Stinke-Bach. Der Überlauf des Mischwasserkanals gelangt bei starkem Regen ins Bachwasser. Doch mit viel Fantasie ist vorstellbar, was entstehen kann: Ein Park, 16 Meter breit, als Grünachse quer durch den Stadtteil. Und in der Mitte ein renaturiertes Bächlein. So plant es das städtische Umweltamt.
Die Lobbyarbeit läuft seit 14 Jahren. Was fehlte, das waren verkaufsbereite Anwohner. Denn ein schlängelnder Bach braucht vor allem eines: Platz. Südlich des Grabens ein drei Meter breiter Streifen, an der Nordseite sogar zehn Meter. Ohne private Parzellen fehlt dem grünen Traum schlichtweg der Raum.
Das Fernziel heißt Öffnung des Entenbachs bis zur Mündung in die Nahe. Seit Jahren kauft die Stadt deshalb Bach-Grundstücke auf. „Mittlerweile scheinen sich vor allem ältere Anwohner mit der Idee anfreunden zu können“, so der Eindruck des Heimatverein-Aktiven Uwe Schmitt (CDU). Ein paar Quadratmeter weniger Garten bedeuten weniger Arbeit.
Viel Überzeugungsarbeit ist für den Gewässer-Umbau nötig. Der Plan der Ingenieure sieht einen „hochgelegten“ Bachlauf vor. Das Rinnsal soll rund 1,50 Meter höher fließen, näher dran am Spaziergänger. „Gesteigerter Erlebniswert“, „Spiel- und Aufenthaltsfunktion“ sind die Schlagworte der Visionäre.
„Wir mussten Ängste zerstreuen, dass mit verändertem Wasserlauf Schäden an den Gebäuden entstehen“, berichtet die städtische Umweltingenieurin Claudia Budinger. Bürgerversammlungen, Gutachter, Gewässer-Spezialisten und Stadtplaner haben sich seit 14 Jahren mit dem kleinen Wasserlauf beschäftigt. Sehr bald wird die öde Beton-Rinne nicht verschwinden. Einen Baustart im Jahr 2012 hält Claudia Budinger nur für den ersten Abschnitt (Teich bis zum Falkenheim) für realistisch. Vom Ausschuss erhält sie das Okay für Grunderwerb und Planung dieses Teilstücks im nächsten Jahr.
Für Ausschuss-Mitglied Josef Decker (SPD) gehen die Schritte am Bach im Schneckentempo. „Mit erst drei Kaufoptionen auf einer Bachseite bin ich nicht besonders enthusiastisch.“
„Wenn der Verkaufshype in Büdesheim losbricht, dann brauchen wir Geld im Haushalt“, so Oberbürgermeisterin Birgit Collin-Langen (CDU).
Gurgelndes Bächlein mit grünen Ufersäumen, Lindenallee und Findlingen als Trittsteine im Wasser - die Vision vom Entenbach benötigt neben Fantasie und Finanzen also vor allem verkaufsbereite Anrainer.

