Skulpturen ziehen wieder in die Stadt
03.09.2010 - BINGEN
Von Christine Tscherner
KUNSTPROJEKT Konzept im Ausschuss vorgestellt
Plakate sind gedruckt, Künstler ausgewählt, der Termin steht: Ab Frühjahr 2011 ziehen wieder Skulpturen in die Stadt. Nach dem Auftakt im Landesgartenschau-Jahr nimmt das privat finanzierte Kunstprojekt Tempo auf. Das Stifterpaar Gerda und Kuno Pieroth stellte dem Binger Ausschuss für Touristik und Kultur sein Konzept vor.
Die Premiere liegt gut zwei Jahre zurück. Damals überraschte das Kreativen-Team mit Skulpturen unter freiem Himmel: Modern, monumental bis filigran, manchmal verstörend - in der Dichte jedenfalls ungewohnt hochklassig für eine deutsche Kleinstadt.
Auf das Zusammenspiel von Kunst und Naturschauspiel geht es auch diesmal. „Schönheit und Natur“ lautet der Triennale-Titel 2011. 20 neue Künstler werden in Bingen am Start sein. Die Auswahl ist getroffen. „Anders als 2008 stellen die Künstler den größten Teil ihrer Skulpturen erst vor Ort her“, vergleicht Kuno Pieroth. Zehn Studierende einer Bildhauerklasse werden zudem über drei Wochen in der ehemaligen Blumenhalle arbeiten. „Die Binger sind täglich eingeladen, um neugierig das Entstehen zu verfolgen.“
Plakate sind bereits gedruckt. „Die Stadt Bingen lädt ein, nicht die Zahl 529“, gibt Gerda Pieroth die Kuratoren-Meinung wider. Denn die Zahl mit dem Rheinkilometer 529 rückt diesmal in den Hintergrund. Schade, findet ein Teil der Ausschuss-Runde. „Ein Logo mit Zahl hat neugierig gemacht; das Wort Bingen lockt niemanden.“ Till Müller-Heidelberg, SPD, ist nicht der einzige Plakat-Skeptiker. Auch Kornelia Choquet (CDU), Sabine Wentzel-Lietz und Martin Rector (beide Grüne) überlegen laut: Ist die Formensprache mit stilisierten Bäumchen, Häuschen und Flusswellen nicht allzu brav für frische Kunst?
„An dem Plakat herumzumäkeln, das ist nicht unsere Aufgabe“, legt sich Manuela Beck, CDU, fest. Immerhin nimmt ein Paar eine Viertelmillion Euro in die Hand, um Bingen ein paar Monate lang einen Hauch von internationalem Kunstflair zu schenken.
Zwei Bitten trägt das Stifterpaar an den Ausschuss heran: Neben großen Flächen für Spielplätze und Sport solle der Charakter als Park mit Ruhezonen am Rhein erhalten bleiben. Außerdem wünschen sie sich für die Trägerschaft der Triennale „irgendwann in Zukunft“ öffentliche Hände. Denn: „Kunstinteressierte sollen in die Stadt gelockt werden.“ Das sei das gemeinsame Ziel.
Die zweite Auflage des Binger Skulpturenparks hat sich professionelle Verstärkung aus Berlin gesucht. Ein Kunsthistoriker und ein Literaturwissenschaftler bringen Wissen und Kontakte ein. Vom 30. April bis 3. Oktober 2011 wird die Schau dauern. Der Eintritt ist frei. Ort wird wieder die Rheinfront sein. Wichtig ist den Machern die Werkauswahl. Schönheit verspricht der Titel. Aber Kunst muss auch provozieren, zum Nachdenken animieren.

