Von Heike Sobotta
KUNSTHANDWERK Tina Reisener-Kricks Vorliebe gehört dem Zusammensetzen farbiger Steine
Zwei silbrig glänzende Fische wiegen sich an Stäben im Wind. Im Strauch daneben baumelt schillernd ein buntes längs-ovales Objekt. Die beiden einzigen Zeichen im Vorgarten, dass hier die Kunsthandwerkerin Tina Reisener-Krick mitten in Ingelheim in einem Einfamilienhaus wohnt. Deren Enthusiasmus gehört dem Zusammensetzen farbiger Steine. Denn seit einer Reihe von Jahren beschäftigt sie sich mit der Gestaltung von Mosaiken.
Am liebsten orientiert sie sich dabei an farbiger Ästhetik und freier Formgebung und nicht nach strengen byzantinischen Vorgaben mit gleich geformten Steinen und symmetrischem Aufbau. Gerade stellte Tina Reisener-Krick ihr bisher größtes Werk fertig, eine Mauer von vier Metern Länge und anderthalb Metern Höhe, die vom Ende des Gartens ins Wohnzimmer leuchtet, in der keine weiteren Mosaikobjekte zu finden sind.
Kräftige Farben setzen Akzente
„Die Mauer war da und wartete darauf“, lacht die Kunsthandwerkerin. Jetzt setzen bunte Blüten und Ornamenten in kräftigen Farben in ihrer Gartenlandschaft einen Akzent, der seine Feinheiten erst beim Näherkommen enthüllt. Was aus der Ferne wie eine einheitliche farbige Fläche wirkt, zerlegt sich, wenn man davor steht. Je länger man davor steht, desto mehr gibt es zu entdecken. „Ich habe viel Klimbim eingearbeitet“, so Tina Reisener-Krick. Am Beginn der Idee stand das Fliesensammeln nach Farben sortiert. Außerdem verarbeitete sie im Freien frostsichere Spezialfliesen. Irgendwann war es soweit. Mit einem groben Plan im Kopf zerkleinerte die Kunsthandwerkerin die ersten Fliesen und brachte sie auf der Wand auf. Eine Arbeit, die sie fesselte und wochenlang ihre Freizeit in Anspruch nahm. „Die Arbeit war körperlich anstrengend“, erzählt die Künstlerin. Die Fliesen sind schwer und können kaum mit Fliesenschneidern bearbeitet werden. Vielmehr wurden sie auf eine Tuchunterlage gelegt und vorsichtig mit Hammer zerkleinert. Auf Knien oder liegend gestaltete sie den unteren Rand der Mauer. Ab und an half Tochter Emilia beim Verkleben der Steine. Erste Kontakte zum Mosaik-Kunsthandwerk hatte Tina Reisener-Krick durch ihre Mutter in der Kindheit. „Damals interessierte mich das aber überhaupt nicht“, gesteht sie. Erst als sie Mosaike von Gaudí und Hundertwasser kennenlernte, änderte sich das schlagartig. „Barcelona ist ein Paradies für Mosaikfreunde“, schwärmt sie und buchte damals in ihrer ersten Begeisterung sofort einen Kurs in Wiesbaden. „Der war aber nicht berauschend“, so ihr Fazit. Kurzerhand beschloss sie, sich alles Nötige selbst beizubringen. Bald gab die Autodidaktin Kurse an der Volkshochschule. Mittlerweile hat sich eine richtige Mosaikszene entwickelt, in der sie einen klangvollen Namen hat. Nach wie vor ist sie halbtags bei Boehringer Ingelheim beschäftigt, bietet aber regelmäßig Wochenendkurse in ihrem Gaulsheimer Atelier an, zu denen Teilnehmer aus ganz Deutschland anreisen. Außerdem hat sie ein Buch über das Herstellen von Mosaiken geschrieben und ist Mitbegründerin von „Domo“, der deutschen Organisation von Mosaikkunst. In einem ist die Kunsthandwerkerin eisern: „Ich verkaufe nichts“, so ihr Credo. Aber an Freunde, die es zu schätzen wissen, verschenkt sie mal etwas.

