Stars singen beim ZDF neoMusik Open Air in Bingen den Regen einfach weg
24.07.2010 - BINGEN
Von Jacqueline Grünewald
Das ZDF neoMusic Open Air am Freitag im Park am Mäuseturm in Bingen sucht wohl Seinesgleichen – denn mit Marit Larsen, Die Happy, Stanfour und Auletta ist nicht nur eine internationale, sondern auch eine musikalisch bunt gemischte Künstlertruppe an die Stadt am Rhein gekommen. Doch neben den bekannten Namen und der guten Live-Musik dominieren zwei große Probleme den gut gedachten Open Air-Abend: Heftiger Dauerregen und organisatorisch-technische Schwierigkeiten.
Auletta, Indie-Rock-Band aus Mainz, machen den Anfang. Die vier Jungs erinnern mit ihrer Musik stark an Gruppen wie Franz Ferdinand oder Mando Diao, erschaffen sich allerdings durch ihre harten, sehr realen und äußerst gesellschaftskritischen deutschen Texte ein eigenes, unverwechselbares Profil.
Anheizen trotz Regen
Somit ist der Weg von Auletta zur Ulmer Rockband Die Happy nicht mehr allzu weit. Bereits seit 16 Jahren im Geschäft weiß die Band, wie sie das Publikum, auch im stärksten Regen, anheizt: Frontfrau und gleichzeitig neoMusic-Moderatorin Marta Jandová bringt die Zuschauer zum Mitsingen, Mittanzen, Mitschreien und setzt eine Energie frei, die auch den nassesten Fan wieder trocken legt. Sowohl Altbekanntes wie der Song „Goodbye“ als auch Neues vom aktuellen Album „Most Wanted“ ergeben eine geradezu explosive Mischung – dass Marta Jandová nach solch einer gesanglichen Leistung überhaupt noch den Abend weiter moderieren kann, lässt den Profi erkennen.
Die Musik des Topacts stellt zu seinen Vorgängern das reinste Kontrastprogramm dar: Marit Larsen – süß, lieb, feengleich – lacht das schlechte Wetter einfach weg und verzaubert mit ihrem hohen, mädchenhaften Gesang die Zuhörer. Ihre, nach eigenen Angaben, immer traurigen, sehr melancholischen Texte versuche sie in fröhliche Melodien zu packen; ihr einziges Liebeslied mit Happy End gibt die Norwegerin auch in Bingen zum besten. Sowohl am Klavier als auch an der Gitarre beweist sich Larsen als musikalisches Talent, und natürlich warten alle auf den Superhit „If a song could get me you“ – und werden von der Live-Version nicht im geringsten enttäuscht. Den Abschluss des Open Airs bildete die Pop-Rock-Band Stanfour. Mit einem Mix aus rockigen Gitarren und sanften Keyboard-Tönen schaffen die acht Jungs von der Nordseeinsel Föhr eingängige Melodien und Lieder zum Mitsingen.
Heftiger Dauerregen
Doch auch die besten Künstler sind gegen das Wetter machtlos: Ein heftiger Dauerregen vertrieb die Hälfte der Besucher, noch bevor Marit Larsen überhaupt gesungen hatte; einige waren wohl erst gar nicht gekommen. Doch organisatorisch hätte das ZDF auch dieses Problem besser handhaben können: Durch das Warten auf den erhofften Wetterumschwung verzögerte sich das Konzert um über eine Stunde, die Umbauphasen zwischen den einzelnen Künstlern kamen vielen Besuchern, die ja schon seit Stunden im Nassen ausharrten, wie eine kleine Ewigkeit vor. Technische Probleme wie Tonausfälle während des Auftritts von Die Happy, die Sängerin Marta Jandová souverän und unterhaltsam meisterte, oder Wiederholungen einiger Moderations-Passagen – das Konzert wurde schließlich aufgezeichnet – verlängerten den nasskalten Abend unnötig.

