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Bingen 

Zart besaitet, aber stark

02.06.2010 - BINGEN

Von Gernot Blume

MANDOLINENMUSIK Rarität im Konzertsaal der Villa Sachsen

Zwei kleine Instrumente, heute leider eine beinahe exotisch wirkende Rarität im klassischen Konzertsaal, füllten in den Händen ihrer Meisterinnen, Caterina Lichtenberg und Silke Lisko, einen ganzen abwechslungsreichen und musikalisch ausdrucksstarken Abend im Rheinsaal der Villa Sachsen.

Die beiden Musikerinnen sind international unterwegs mit der Botschaft ihrer Instrumente: einem anderen, bezaubernden Klang, der über das Klischee der neapolitanischen Romantik weit hinausgehen kann.

Bogen von Barock bis Gegenwart

Wie bereichernd ist das für Ohr und Seele in einer Welt, in der zwar alles verfügbar ist, aber dennoch die musikalischen Ausnahmeerscheinungen im Kulturbetrieb bisweilen am Wegesrand des allgemeinen Geschmacks und der vertrauten Hörgewohnheiten übergangen werden.

Mit humorvollen und lockeren Moderationen informierten die Mandolinistinnen über Komponisten und Werke, die einen Bogen vom Barock über die Romantik bis in die Gegenwart spannten. In diesen Kommentaren entstand das Bild von schöpferischen Menschen, die in ihrem jeweiligen Umfeld immer schon das Außergewöhnliche suchten - und die Mandoline wurde für sie gleichsam zum Symbol dieser Leidenschaft.

Da gab es den Mozart-Zeitgenossen Gabriele Leone, der mit seinem Instrument und seinen Kompositionen dafür schon damals ganz Europa bereiste. Oder den Neapolitaner Raffaele Calace, Mandolinenbauer, Komponist und Virtuose, der die Mandoline aus ihrem goldenen Zeitalter der Romantik ins 20. Jahrhundert hinüber begleitete. Noch heute ist seine berühmte Mandolinenwerkstatt in Neapel in Familienhand.

Auch zeitgenössische Komponisten mit einem Hang zur Exzentrik widmen sich dem unüblichen Instrument. Christopher Grafschmidt beispielsweise verarbeitet Reiseerinnerungen nach Brasilien, wo die Mandoline in der Choro Musik von großer Bedeutung ist. José Antonio Zambrano fängt verschiedene Stimmungen aus seinem Heimatland Venezuela ein und der Franzose Sébastien Paci holt ungewöhnliche Rhythmen und Klangstrukturen aus den so beschränkt erscheinenden Instrumenten heraus.

Überraschende Klangvielfalt

Ja, gerade die überraschende Klangvielfalt war ein zentrales Erlebnis des Konzerts: Ob mit dem typischen Mandolinentremolo oder mit zart hervorgelockten Flageolett Tönen, ob in rasenden und rhythmisch perfekt abgestimmten Läufen oder in stehenden Akkordflächen, ob mit spitz metallischem Zupfklang oder weich schwebendem Sul Tasto - eine Klangwelt unzähliger Nuancen entfaltet sich für den genau lauschenden Zuhörer.

Die Miteinbeziehung verschiedener Verwandter des Instruments - der barocken Sopranlauten und der tiefer klingenden Mandola - rundeten die Klangerkundungen ab.

Und ist dies nicht eines der exquisitesten Geschenke, welches die Musik für uns bereithält - dass sie uns entführen kann in eine andere Welt und uns gestärkt zurückschickt in unseren Alltag? Es steht jedem zur Verfügung, der bereit ist, sich einzulassen auf die Reise. Sie führt oft weg von abgetretenen Wegen, in denen wir uns immer nur bestätigen, was wir längst schon kennen.

Das Duo Galante jedenfalls zupfte sich an diesem Abend leise aber virtuos in die Erinnerung des dankbaren Publikums.

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