Kreisel gegen "Darmverschlingung"
12.03.2010 - BINGEN
Von Lena Fleischer
VERKEHRSKONZEPT Landesbetrieb stellt favorisierte Lösung für Gefahren-Kreuzung in Bingerbrück vor
Sie wird "Darmverschlingung" genannt und wenn davon die Rede ist, verdreht so mancher Autofahrer die Augen: Die Kreuzung zwischen Hunsrückhöhe, Rhein- und Nahetal in Bingerbrück.
68 Unfälle in drei Jahren, bei denen drei Menschen schwer und 14 leicht verletzt wurden, und rund 26000 Autos, die sich tagtäglich durch den Knotenpunkt quälen - Zahlen, die Mitarbeiter des Landesbetriebes Mobilität in Worms (LBM) dem Bauausschuss präsentierten. Auf der Tagesordnung stand die komplizierte Kreuzung, die schon seit Jahrzehnten diskutiert wird, weil der LBM eine neue Lösungsmöglichkeit vorstellen wollte. Es handelt sich dabei um Variante Nummer 13.
Schnell jedoch wurde klar: Eine Königslösung gibt es nicht. Unterführung, Rampe, Kreisel - alles stand schon zur Diskussion. In einem immerhin waren sich alle Gesprächspartner schnell einig: An dieser Stelle muss etwas passieren.
"Seit Jahren versuchen wir, hier eine Verbesserung zu erzielen, weil die Defizite des Knotens zu Unfällen führen", beschreibt Martin Schafft die LBM-Aufgabe. Offen gibt er aber auch zu, dass bisher noch keiner die optimale Lösung gefunden hat.
Eine, die der Landesbetrieb favorisiert, stellten er und sein Kollege Martin Strehler nun dem Bauausschuss vor. Es ist der "bestmögliche, vertretbare Kompromiss", heißt es in der Vorlage. Für die Darmverschlingung halten die Fachmänner eine Kreisellösung für sinnvoll. Ein Kreisel soll dafür sorgen, dass die Kreuzung insgesamt künftig besser erkennbar ist. Es müsste jedoch ein mehrstreifiger Kreisel sein: "Nach unseren Berechnungen würde ein einstreifiger Kreisel in den Spitzenstunden zusammenbrechen", beschreibt Strehler ein Rückstau-Szenario und Verkehrschaos. Verkehrsströme besser entflechten soll die Kreisellösung, die Drususstraße würde dann verkehrsberuhigt, weil vom Durchgangsverkehr abgehängt, und die B9-Rampe an dieser Stelle fiele weg.
Die Nachteile sind aus Sicht der LBM-Experten, dass ein Kreisel viel Platz braucht. Park- und Wohnraum fiele an verschiedenen Stellen weg, weil auch Einfädelspuren eingeplant werden müssen. Der Fußgängerüberweg im Bereich der Apotheke in der Stromberger Straße wäre Geschichte und Radler könnten den Kreisel nicht nutzen.
Die Mitarbeiter des Landesbetriebs wiesen darauf hin, dass die Darmverschlingung nicht separat betrachtet werden darf, sondern nur im Zusammenhang mit dem Veneray-Les-Laumes-Platz. Hier schlagen sie ebenfalls vor, eine Ampel zu installieren oder einen Kreisel einzurichten. Nachteil: Die Parkplätze an dieser Stelle fielen weg.
Dass es keine gleichermaßen städtebauliche und verkehrlich befriedigende Lösung gibt, darin waren sich die Bauausschuss-Mitglieder einig. Für die Verwaltung schlug Bauamtsmitarbeiterin Dagmar Leitner vor, dass geprüft wird, ob die Kreuzung am Veneray-Les-Laumes-Platz nicht nach Norden verschoben werden kann, um dort dann eine Ampel einzusetzen, damit nicht so viele Parkplätze wegfallen und weniger Fläche benötigt wird wie für einen Kreisel.
Weil der LBM allerdings auch an diesem Knotenpunkt einen Kreisverkehr bevorzugt, muss die Stadt diese Variante auf eigene Kosten prüfen. Damit waren alle Fraktionen einverstanden. Denn beispielsweise Dr. Till Müller-Heidelberg (SPD) fragte: "Bauen wir ein Autobahnkreuz mitten in der Stadt?" und Wolfgang von Stramberg (FWG) gab zu, ein "Monstrum" zu planen, verursache ihm Bauchweh.
Also prüft nun die Stadt, was am Veneray-Les-Laumes-Platz geschehen soll und schließt sich dem LBM-Vorschlag für einen mehrstreifigen Spiralkreisel an der Darmverschlingung an. Schafft verspricht: "Unsere Prognose hat gezeigt: Ein solcher Kreisel dort ist leistungsfähig bis 2025."

