Gesundes ist Mangelware
12.03.2010 - BINGEN
Von Heinrich
KOCHKURS "Eine-Million-Sterne-Aktion" zeigt Probleme von Hartz IV-Familien auf
W. Hamann
. Im vergangenen November wurde vom Caritasverband Mainz entschieden, einen Teil der Spenden der Binger "Eine-Million-Sterne-Aktion" in ein Projekt "Kochkurse für Kinder und Eltern" zu geben; denn mit der Maßnahme, die die Katholische Kirche deutschlandweit durchführte, sollte bewusst gemacht werden, wie sehr Armut Ausgrenzung für die betroffenen Kinder bedeutet, unter anderem auch ihre gesunde Ernährung gefährdet und ihnen Lebensgrundlagen entzieht.
Nunmehr wurde das Projekt realisiert. In der Lehrküche der Büdesheimer Grund- und Hauptschule schart die Ernährungsberaterin Silvia Döß an vier Terminen im März sieben Mütter und neun Kinder um sich, um sie bei der Zubereitung gesunder kostengünstiger Nahrungsmittel, die in der jetzigen Jahreszeit angeboten werden, anzuleiten.
Vier Teams bereiten eine aus drei Gängen bestehende Hauptspeise und einen Nachtisch zu. Für das Gelingen des letzteren zeichnen in erster Linie die Kinder verantwortlich, um die sich während des Kochgeschehens zwei Betreuerinnen kümmern. Spielend vertreiben sich die Kleinsten die Zeit bis es heißt "Tischlein deck dich".
Die Teilnehmerinnen an dem Projekt sind ausnahmslos Hartz IV-Bezieherinnen, wie die Projektkoordinatorin der Caritas, Irmgard Fleckenstein-Gerster, informiert. Sie sieht die Spendengelder der "Eine-Million-Sterne-Aktion" sehr gut angelegt. Neben der Sensibilisierung für eine vollwertige Familienküche wird im Rahmen der Maßnahme die Bedeutung regelmäßiger gesunder Ernährung herausgestellt und darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, für ausgewogene Kost zu sorgen. Das Kennenlernen neuer Rezepte erlebt man in einem Zusammensein, das die Möglichkeit zu gemeinsamer Mutter-Kind Aktion in entspannter Atmosphäre und entsprechender Tischkultur bietet.
Am Tage des AZ-Besuches gab es Tortiglioni, Salat und Kräutersoße mit Rahmwirsing und Kartoffelblumen und ein von Kinderhand bereitetes italienisches Osterbrot, eine "Osterpinza".
Stellvertretend für die anderen äußerte eine Mutter, sie koche zu Hause ganz anders und müsse sich erst an die hier vermittelten Ratschläge gewöhnen. Mit allen Sinnen voll im Geschehen und von der neuen Erfahrung sehr angetan, wies sie ihr 13-jähriger Sohn Angelo daraufhin ungerührt an: "Mama, rühr mal weiter."

