Von Lena Fleischer
HEIMATLADEN Michael Link verkauft, was Bingen und Umgebung zu bieten hat
Wegziehen wollte der gebürtige Kempter nie. Mittlerweile wohnt Michael Link in der Innenstadt und verkauft, was er liebt: seine Heimat. "Guck emol heißt `schau einmal`", erklärt er am Telefon gerne. Aber die Einheimischen wissen das sowieso - und schmunzeln über den Namen des Ladens in der Basilikastraße. Als er mit seiner Frau durch die Stadt lief, hörte er den Ausdruck immer wieder, die Idee fürs Geschäft war geboren. Einprägsam sollte der Name sein und neugierig machen. Nachdem der 47-Jährige
13 Jahre Telefone verkauft hatte, wandte er sich dem zu, was ihm am Herzen liegt. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und übernimmt das Catering im Keller des Haferkastens, wenn hier jemand was zu feiern hat. Auch zu Gelegenheiten wie Sektfest oder "Bingen swingt" öffnet der Keller, und Link bietet Leckereien an. "Ich verkaufe das, was es anderswo nicht gibt. Es gibt so viel, was hier in unserer Region zu haben ist, das hätte ich nicht gedacht." Wein und Schnaps, klar, das steht auch in den zu Regalen umfunktionierten Weinkisten in Links Geschäft. Doch er staunt noch immer selbst, was in Bingen und um Bingen herum zu haben ist. Tofu aus Trechtingshausen soll dazukommen, Käse von der Lehmmühle aus Dörrebach gibt es schon. "Der Traubensaft ist ohne Konzentrat", erklärt Link, der wissen will, wie die Produkte hergestellt werden, die er anbietet. Darum schaut er sich an, wie die Kühe gehalten werden, deren Milch zu Käse wird. Und Walnuss- oder Rapsöl landet erst im Sortiment, wenn er es selbst probiert und für gut befunden hat - genau wie die Kräuterknobi-Creme, der Klingelwiesenkäse oder der Brie mit Chili. Link experimentiert gern in der Küche, serviert "Happas statt Tapas", bietet statt Datteln im Speckmantel Rindersalami mit Feigensenfcreme, statt Chorizo Rindfleisch mit Meerrettich-Kirsch-Creme an. "Ich will zeigen, dass man auch mit einfachen Mitteln ganz tolle Gerichte zaubern kann." Und dabei darf natürlich auch der Spundekäs´ nicht fehlen. Denn: "Einfache Dinge sind oft die besten", sagt er. Trotzdem ist der Bezug zu Spanien da, denn gutes Olivenöl ist ein Muss in jeder Küche, findet Link. Und weil er bei den Spaniern eines gefunden hat, reiht sich im Laden nun nicht nur das Oliven- neben das Walnussöl, sondern auch der Rioja neben den Dornfelder. Probieren geht über Studieren, findet Link und glaubt, es könne nicht schaden, rheinhessische Weine mit spanischen Tropfen zu vergleichen. Erzeugnisse von fünf Binger Winzern finden sich hier momentan, doch das Sortiment ist ausbaufähig, erklärt Link. "Törtscher" und "Zuggerschnegge" gibt es bei ihm auch - allerdings in Form von auf Shirts gedruckten Buchstaben. "Wir haben hier einfach alles", erklärt Link, was ihn an seiner Heimat fasziniert: "Wasser, Hügel und Wälder. Das genieße ich jeden Tag." Da geht es ihm wie Hilke Wiegers, die mit Luise Botler historische und literarische Stadtführungen durch Bingen anbietet. Und weil sich die Damen nicht nur für geistige Nahrung interessieren, sondern auch für kulinarische Spezialitäten, haben sie sich bei den Führungen mit Link zusammen getan. Damit auch jene, die das noch nicht wissen, erleben können, was Bingen alles zu bieten hat.


Heimatladen
Ihr Artikel macht neugierig auf Herrn Links Laden.
Von aussen ist so wenig von den Schätzen innen zu sehen.
Wann hat er denn geöffnet?
Schade, daß die Öffnungszeiten nicht auch im Artikel genannt wurden.