Von Christine Tscherner
Die Finanzkrise ist auch auf dem Wasser spürbar. Der Trend zum Deutschland-Urlaub gleicht aber ein massives Umsatzminus bei Charterfahrten aus. Die Bingen-Rüdesheimer Fähr- und Schifffahrtsgesellschaft ist unter dem Strich hoch zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2009. Nach zweistelligen Zuwachsraten durch Gartenschau-Gäste konnte das Traditionsunternehmen die Passagierzahl halten.
„Mindestens 25 Prozent Umsatz gingen bei Charterfahrten verloren.“ Kurt Hartmann, Geschäftsführer der Bingen-Rüdesheimer Fähr- und Schifffahrtsgesellschaft, wirkt dennoch hoch zufrieden. „Das Plus bei Spontan-Reisenden aus Deutschland gleicht den Rückgang locker aus.“ Firmen hatten 2009 weniger zu feiern. Party-Schiffe gingen seltener auf Kurs. Die Mittelrhein-Tour als Bonus stand anscheinend häufig auf Streichlisten. Das Charter-Minus konnte das 80 Jahre alte Unternehmen jedoch mit der Linien-Schifffahrt auffangen.
Das eigene Land ist in
„Urlaub im eigenen Land ist schon seit ein paar Jahren wieder Trend.“ Seit dem Binger Landesgartenschaujahr 2008 erlebt das „Schiffchefahren“ eine wahrhaft kometenhafte Renaissance. „Wir haben 2008 zweistellig zugelegt und konnten die Fahrgastzahlen 2009 halten.“
Die Zielgruppe der Zukunft ziehe es zunehmend weniger in die Ferne. Kurz, nah, weg - für Familien mit Kindern ist der romantische Mittelrhein mit seinen Burgen, Bergen und Loreley-Mysterien eine echte Neuentdeckung. Der einstige In-Treff von Dichtern und Denkern kehrt ins Bewusstsein zurück.
Pauschalen und Pakete mit Weinproben beim Winzer, attraktive Wandertouren und Radler-Strecken locken zur Kombination mit der Halbtages-Rheinreise. „Urlaub vor der Haustür scheinen auch im laufenden Jahr viele Familien zu planen.“ Hartmann kann nicht in Urlauber-Köpfe schauen. Aber das Buchungsverhalten für „Rhein im Feuerzauber“ ist für ihn verlässliches Trendbarometer.
"Feuerwerk ist gefragt wie nie"
„Alle sechs Großveranstaltungen zwischen Köln und Bingen sind bereits heillos überbucht.“ Die Feuerwerksspektakel sind Dauerbrenner am Rhein und gefragt wie nie. Neben der Familien-Klientel greife auch die Rentner-Generation gern auf die Tages-Kreuzfahrt zurück. Nachrichten von Terror bis Tsunami spielen der heimischen Touristik in die Hände.
Sind Flussschiffer also als Profiteure der Krise? Hartmanns Zahlen belegen: Das angestaubte Image ist die Rheinschifffahrt los. Die Kurzreise in deutschen Landen boomt. Spontan nach Wetter und Laune wolle der Fahrgast entscheiden. Vorhersagen werden darum schwieriger.
Der Geschäftsführer der Bingen-Rüdesheimer buhlt international um Gästegruppen. Kontinuierlich steigende Zuwächse bei Touristen aus Benelux, Frankreich, Schweiz und Österreich stünden einem Minus aus Osteuropa gegenüber. „Ungarn, Tschechen und Slowenen spüren die Krise anscheinend stärker als wir.“
"Feuerwerk ist gefragt wie nie"
Für Deutschland- und Europa-Touren amerikanischer oder asiatischer Anbieter gehöre die Rheinreise zum Loreley-Felsen seit jeher zum Standard. Geschäftsführer Hartmann ist auf Gespräche bei Messen und Workshops vor allem in England und zur ITB im März gespannt.
Die Sommersaison der Bingen-Rüdesheimer startet am 2. April (Karfreitag). Sie reicht bis in den Oktober, traditionell einer der stärksten Touristik-Monate in der Region.
Die Bingen-Rüdesheimer beschäftigt als mittelständischer Familienbetrieb im Sommer 60 Mitarbeitern. Die Firma wurde 1930 gegründet. Fünf Fahrgast-Schiffe gehören zur Flotte, außerdem Fähren, die zwischen den Bingen und Rüdesheim pendeln.

