Von Christine Tscherner
BAUAUSSCHUSS Teil des Gebäudes soll abgerissen werden / Turnhalle auf Freifläche?
Die Hauptschule hat ausgedient, die Abrissbirne kommt. Der Bauausschuss hat das Niederlegen des Schulgebäudes beschlossen. Am 9. Februar sollen Zeitplan und Kostenschätzung vorliegen.
So bildlich wie an der Franz-Burkhardt-Straße ist kaum eine schulpolitische Weichenstellung ablesbar. Während die Bauarbeiten an der Grundschule weiter voranschreiten, zerrt eisiger Winterwind an den schiefen Sonnenrollos des Hauptschul-Hauses. Das Modell Hauptschule hat rheinland-pfalzweit ausgedient. Der oberste von drei Trakten steht fast leer.
"Nur einen Fachraum nutzt die Schule noch", weiß Bürgermeister Thomas Feser. Wer noch nicht die integrative Realschule in Büdesheim besucht, der hat im Grundschul-Gebäude Unterricht (die AZ berichtete). "Wenn es nach uns geht, dann wechseln die verbleibenden Schüler schon nach den Sommerferien nach Büdesheim."
Thomas Feser (CDU) will einen klaren Schlussstrich ziehen, den Wandel am Schulzentrum auch in den Gebäuden sichtbar werden lassen. Sein Plädoyer für den Abriss des gut 40 Jahre alten Hauptschultrakts überrascht nicht. Allerdings wirkt die Ausschuss-Abstimmung nicht gerade euphorisch: Vier Ja-Stimmen für den Abriss, eine Nein-Meldung und der Rest Enthaltungen.
Aus seinen Plänen für das städtische Hanggrundstück macht Feser keinen Hehl. "Mittel- bis langfristig" könne er sich den Neubau einer kleinen Schulturnhalle auf der Abrissfläche vorstellen. Mehr Platz für Spiel und Pausen der Grundschüler sei außerdem gewonnen. Wo heute die - ebenfalls sanierungsbedürftige - Grund- und Hauptschulturnhalle steht, könne nach Absprache mit Anrainern, Gewerbe und Betroffenen ein zentrales Parkdeck entstehen. Auch diese Halle müsste Baggern weichen.
Die städteplanerischen Überlegungen des Baudezernenten waren in der Opposition Ende vergangenen Jahres auf harsche Kritik gestoßen. "Für bessere Vorschläge bin ich immer offen", lädt Feser zum Ideen-Wettbewerb ein. Der Zeitplan: In der Februar-Sitzung des Bauausschusses soll auf Antrag der Bündnis-Grünen hin ein detaillierter Zeit- und Kostenplan für den Abriss von Haus C erstellt werden.
Zielsetzung des Dezernenten ist ein möglichst schneller Abbruch. "Vandalismusschäden wie am Hallenbad gilt es zu vermeiden." Außerdem solle ein Konflikt zwischen dem langwierigen Ausbau Schloßbergstraße und Baustellen-Verkehr durch den Schulabriss vermieden werden. Ein Antrag der SPD-Fraktion zur weiteren Nutzung des Schulgebäudes lehnte die Ausschuss-Mehrheit mit acht zu sechs Stimmen ab. Die Stadt solle gemeinsam mit dem Kreis Mainz-Bingen noch einmal über Möglichkeiten jenseits der Abrissbirne nachdenken, so lautet der Einwand der Sozialdemokraten. "Der Kreis hat bereits dankend abgelehnt", weiß Feser. Der Landkreis ist Schulträger am Stefan-George-Gymnasium, dem Nachbarn. Mit dem Auszug der Realschule nach Büdesheim konnte sich das aus allen Nähten platzende Gymnasium ausdehnen. Weiterer Raumbedarf bestehe nicht, sagt Feser. Zudem sei der Hauptschultrakt keinesfalls ein Immobilien-Schnäppchen, sondern stark sanierungsbedürftig. Auf 1,6 Millionen Euro notwendige Investitionen beläuft sich die Schätzung der Verwaltung. Das gesamte Hanggelände am Binger Schulzentrum steht seit dem politischen Aus für die Hauptschule sowie neuen Ganztags- und Betreuungskonzepten im Umbruch. Mit dem Grundsatzbeschluss zum Abriss ist der Weg für Fesers Strategie am Bildungsstandort frei.

