Von Christine Tscherner
JUGEND-FETEN Stadt bietet Ort zum Feiern an / Auch private Alternative
In welcher Halle können Jugendliche feiern? Der Jugendausschuss beriet erneut die Party-Frage. Die Verwaltung bietet nach Abwägung als städtische Alternative die Rundsporthalle in Büdesheim an. Aber auch das H1 (Alte Stadthalle) als private Alternative habe sich bewährt.
Abi-Streich, Abi-Shirt, Abi-Party: Weil die vielfältigen Riten am Ende der Schulzeit viel Geld verschlingen, sind Feten mit Eintritt für die Abschluss-Jahrgänge Mittel zur Geldbeschaffung. Solche Vofi-Feten, die Abkürzung für "Vorfinanzierung", sind nicht nur unter Binger Jugendlichen beliebt. Ingelheimer Schüler mieteten das H1 am Rheinufer. Platz für 800 Personen, Parkplätze, vorhandene Genehmigungen und gute Zusammenarbeit mit der Polizei sprechen für die Diskothek. Auch das ehemalige Richtberg-Casino bei Gaulsheim testeten Organisatoren des Stefan-George-Gymnasiums zuletzt recht erfolgreich.
Damit der Jahrgang Geld in der Kasse behält, muss die Hallenmiete überschaubar sein. Einfach-Lösungen ziehen nicht genug Publikum an. "Der Renner war das Kempter Sportheim wohl nicht", fasst Bürgermeister Thomas Feser (CDU) die Erfahrung der Hildegardisschülerinnen zusammen.
Rund zehn verschiedene Partyräume haben Binger Abiturienten in den vergangenen Jahren getestet. Keine Halle galt als ideal. Schicke Turnhallen in den Stadtteilen sind leider nicht für Jugendfeten konzipiert: Zu fein oder zu klein, zu gefährlich, zu laut, zu viel Miete, zu wenige Fluchtwege.
Bis 1988 konnte regelmäßig die städtische Bingerbrücker Turnhalle genutzt werden. Doch wie in Dromersheim und Sponsheim liegt die Mehrzweckhalle zwischen Wohnstraßen. "Anwohner-Beschwerden und Parkplatz-Probleme sind vorprogrammiert", winkt Feser ab.
Das Jugenddezernat hatte den Auftrag, nach geeigneten städtischen Räumen für große Jugend-Veranstaltungen zu fahnden. Im Kommunalwahlkampf war das Thema hoch gekocht. Ein Antrag der SPD, die Blumenhalle gegenüber dem Stadtbahnhof für Jugendliche zugänglich zu machen, scheiterte kläglich.
Feser bietet nach erneuter Analyse die Rundsporthalle als einzige städtische Alternative an - mit geschütztem Boden und nur in der handballfreien Zeit. "Wir bauen sicher keine eigene Halle für Jugendfeten im Stadtgebiet", stellt er klar. Jedoch durchaus in den Ausschüssen diskutiert: Beim Neubau der Mehrzweckhalle in Kempten solle an Jugendfeten gedacht werden. Bereits Elftklässler klopfen nämlich auf der Suche nach Feier-Destinationen beim Jugendamt an.
Ob bei so viel Feten-Stimmung das Lernen fürs Abitur nicht zu kurz kommt, das fragen sich Kritiker und manche Eltern besorgt. Bis zu fünfstellige Geldbeträge gilt es immerhin zu erwirtschaften und zu verwalten. Das Ritual um das Markieren eines wichtigen Lebensabschnitts ist komplizierter geworden. Die Suche nach Hallenraum auch.

