GEDENKEN Binger erinnern an Opfer des Nazi-Terrors
(kbi). Der 9. November ist ein Schicksalstag der deutschen Geschichte. So sehr die Freude über den Fall der Mauer in Berlin vor 20 Jahren an diesem Tag des Jahres 2009 überwogen hat, vergaßen weder Bundeskanzlerin Merkel in ihrer Rede vor dem amerikanischen Kongress noch Bundespräsident Köhler an den Jahrestag des Gedenkens an die öffentliche Ausgrenzung der Juden und die Schändung ihrer Gotteshäuser 1938 hinzuweisen und sich öffentlich zu dieser Schuld zu bekennen. Seit vielen Jahren trägt der Ausschuss für Ökumene der Pfarrgemeinde St. Martin, der Johanneskirchengemeinde, der Freien evangelischen Gemeinde und der Fels-Gemeinde gemeinsam mit dem Arbeitskreis Jüdisches Bingen dafür Sorge, dass an der Binger Synagoge in der Rochusstraße vor Ort an die Untaten des Naziregimes und die Vertreibung der jüdischen Familien aus Bingen erinnert wird. In einer "Themenansage" wurden mosaikartig wesentliche Aspekte der Ausgrenzung aus dem öffentlichen Leben, die ungeheuren Verbrechen und Verdrängung des nachfolgenden Holocaust nach 1945 zur Sprache gebracht. Bemerkenswert ist der Dankbrief eines Nachkommens, der im Sommer mit anderen Familienmitgliedern zur Stolperstein-Verlegung für seine Großeltern, die Urgroßmutter und eine Urgroßtante angereist war. Er schrieb: "Ich habe Bingen jetzt in angenehmer Erinnerung. Das war nicht immer so, wie Sie wohl verstehen werden. Ein großer Teil der Last befindet sich nun sozusagen in einem kleinen Grab, und ich muss diesen Teil der Last nicht mehr tragen."

