Von Christine Tscherner
Zehn Tage lang diskutierten Fachleute aus Europa und Amerika an der Binger Fachhochschule über Klimawandel und Umweltschutz. “Summerschool" nennt sich das Konzept. Die AZ traf die 20-köpfige Gruppe von Studenten und Professoren in Waldalgesheim.
Ihre Spezialgebiete sind so unterschiedlich wie die Landschaft ihrer Heimatländer. Von Fjorden in West-Norwegen über Umweltrecht, von Solartechnik bis Meeresgeologie reichte das Spektrum der Vorträge. Die Klammer heißt Klimawandel. Und deshalb reisten 15 Studenten und fünf Professoren aus Binger Partnerhochschulen zu einem internationalen Treffen in die kleine Stadt am Rhein-Nahe-Eck.
"An einem Strang ziehen"
Summerschool-Teilnehmer Joervin studiert Geologie an einer skandinavischen Hochschule. In der Wohngemeinschaft von Sascha Niemann, Binger Umweltschutz-Student, fand er nicht nur einen Schlafplatz. Auch Mitbewohnerin Sarah Vögele meldete sich zur Summerschool an. Ihr Gast Maria stammt aus Peru und studiert in England Umweltmanagement. Das Quartett profitiert vom internationalen Austausch.
“Es gibt überall auf der Welt junge Menschen, die sich für den Umweltschutz engagieren", ist die Haupterkenntnis der vier. “Das Gefühl tut einfach gut, gemeinsam an einem Strang zu ziehen", fasst Sascha zusammen. Italiener und Spanier sorgen sich um die Wassernöte heißer Sommer, Norwegische Professoren werfen neues Licht auf den Klimawandel. “Wir diskutieren viel untereinander und verbessern nebenbei unser Englisch", beschreiben die Studenten die Chancen des Treffens.
Waldalgesheim wurde für die Gruppe zum Studienobjekt. “Quer durch die Parteien liegen uns Umweltthemen am Herzen", begründet Dr. Gerhard Hanke (CDU) als Bürgermeister den Weg zur Vorzeige-Kommune. Seit vier Jahren speist Holz aus der Region das Biomasse-Heizwerk. Photovoltaik-Anlagen auf Waldalgesheimer Dächern und Feldern gehören zum Alltagsbild. “Fünf große Windräder werden noch in diesem Jahr gebaut", schaut Hanke nach vorn.
Leicht persönliche Kontakte knüpfen
Zehn Tage voller Vorlesungen, Seminare, Präsentationen und Exkursionen ins Mittelrheintal liegen hinter den Summerschool-Teilnehmern. Besonderen Eindruck hinterließ das Weltkulturerbe mit seinen Burgen und Rebhängen. “So ein kostbares Stück Landschaft ist jede Mühe wert es zu schützen", diktieren Studierende in den Journalistenblock. Bahnlärm, Rheinbrücken-Diskussion und Vermarktungsstrategien des Tourismus haben sie kennengelernt.
Eine Erkenntnis reifte während der Binger Diskussionsrunden: Nur Länder, die hohe Finanzkraft besitzen, können im Umweltschutz Vorreiter sein. Die Angst geht deshalb um, dass mit der weltweiten Wirtschaftskrise Öko-Themen zunehmend ins Hintertreffen geraten.
Für Sascha, Maria, Joervin und Sarah ist die Essenz der “Sommerschule" eindeutig. So leicht wie hier lassen sich persönliche Kontakte weltweit unter Kollegen kaum knüpfen. Die Fachhochschule sieht das erste europäische Klimawandel-Arbeitstreffen als wichtigen Baustein ihres Profils auf internationalem Parkett.

