Von Christine Tscherner
Tüftler Peter Bendix hat sich für Bundesentscheid bei "Jugend forscht" qualifiziert
/STROMBERG. Porsche-Träume, Motorgeschraube und keine Scheu vor Ölfingern - Peter Bendix, 19, ist ein "Jugend forscht"-Sieger mit klassischen Jungmänner-Vorlieben. Die Binger Abi-Feiern liegen gerade hinter ihm. Die AZ sprach mit dem Spitzenschüler über Geduldsproben, Zukunftspläne und die elterliche Garage.
Für den Bundeswettbewerb der Jungforscher hat sich Peter Bendix mit Pflanzenöl qualifiziert. "Auf einer langen Fahrt nach Berlin habe ich mit einem Kumpel diskutiert, ob ein Blockheizkraftwerk auch mit Pflanzenöl-Schmierung laufen würde." Wahrscheinlich kein Gesprächsthema für Menschen, bei denen die Heizung einfach nur funktionieren soll.
Peter Bendix untersuchte zunächst theoretisch die Fragestellung, baute "mal eben" in der Garage des Freundes ein Blockheizkraftwerk, entwickelte, konstruierte und berechnete nötige Umbauteile. Der Clou seiner Entwicklung: Die Maschine nutzt das gleiche Öl als Schmier- und Treibstoff. Ölwechsel fallen weg, zusätzliches Motoröl wird überflüssig.
Der Landeswettbewerb in Ludwigshafen kürte seine Arbeit mit dem Siegpreis im Technikfach. Ende Mai nimmt der 19-Jährige am Bundeswettbewerb in Osnabrück teil.
Außerdem darf der SGG-Schüler an der Trierer Fachhochschule beim Bau eines Ein-Liter-Autos mitwirken. Derweil läuft sein Heizwerk munter weiter in der Garage des Freundes und reduziert dort die Heizrechnung. Warum der Binger Spitzenschüler nicht die elterliche Garage nutzte? "Die ist schon mit dem Bus belegt." Der Bus? An einem 34 Jahre alten Hippie-Modell schraubt Peter Bendix seit vielen Monaten. Den Motor hat der Gymnasiast komplett zerlegt und wieder, Einzelteil für Einzelteil, zusammengesetzt, Roststellen in mühsamer Fleißarbeit abgeschliffen. Lackieren steht demnächst an. "So langsam muss der Bus fertig werden." Denn Peter Bendix will los. "Richtung Süden, nach Afrika." Ein glänzendes Abitur hat der Stromberger in der Tasche. 1,6 ist der Schnitt. Maschinenbau will er in Stuttgart studieren nach seiner Rückkehr.
Sein Vorpraktikum fürs Studium hat sich Peter mit einem überzeugenden Schulpraktikum als Elftklässler gesichert: Ein Porsche-Tuner aus Dortmund nimmt den jungen Mann vom SGG mit Kusshand. An Autos schrauben und trotzdem Spitzenleistungen auch in Geisteswissenschaften? "Zerlegen und neu zusammen bauen, das schult."
Seine Stärken sind das Dranbleiben an einem Thema, Fleiß, Geduld. Als Hunderte von Einzelteilen seines Busmotors in der elterlichen Garage verteilt lagen, da galt wie bei der Abi-Vorbereitung: Stück für Stück ist die Aufgabe zu schaffen. Womit die Technikbegeisterung begann? "Als Kind mit Lego-Technik und als 15-Jähriger mit einer kaputten Schwungscheibe." Der alte Peugeot seines Onkels stand mit Getriebeschaden auf der Schwelle zur Schrottpresse. Der Deal zwischen Onkel und Neffe: Wenn Peter den Schaden reparieren kann, bekommt er den Wagen zum Führerschein. Der Ehrgeiz des Schülers war angestachelt, das eigenhändig renovierte Altauto wurde sein erstes.
Stolz scheint der "Jugend forscht"-Gewinner eher auf die rollenden Ergebnisse seiner Technik-Leidenschaft zu sein als auf Urkunden mit Landeswappen. Und der Hippie-Bus wird rollen, bald, ganz sicher.. Und dann ist auch wieder Platz in Bendix´ Garage...

