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Bingen 

Eine herrlich normale Familienfeier

07.02.2009 - BINGEN

Von Teresa Göttelman

SGG feiert Premiere mit Stück über Jugend von heute, Abnehmen und "neumodische Ferz"

BINGEN. Die Theater-AG des Stefan-George-Gymnasiums feierte mit ihrem neusten Stück "Schweisch, Bub!" diese Woche erfolgreich Premiere.

Das humorvoll-satirische Stück stammt im Original "Schweig, Bub!" von Fitzgerald Kusz. Die zehnköpfige Schülergruppe spielte es in der hessischen Form, die von Wolfgang Kaus übersetzt wurde.

Anlässlich der Konfirmation des Jungen Fritz veranstalten seine Eltern für ihn eine Familienfeier. Während der typischen kleinbürgerlichen Feier, bei der die Erwachsenen essen und trinken, tratschen und streiten, kommt der "Bub" an seinem Ehrentag kaum zu Wort. Neben Schweinebraten und Torte wird in fünf Akten über die Jugend heutzutage, das Abnehmen und über "neumodische Ferz" diskutiert, ohne dass der Konfirmand, gespielt von Pascal Heinen, sich äußern darf - er bekommt immer nur zu hören "Schweisch, Bub!" Während seine Mutter Gretl, alias Anna Zaschel, Sorge trägt, dass das Essen leer wird, knöpft sich sein Vater (Jonas Lorentz) die Hose auf, damit noch etwas mehr hineinpasst. Der Onkel Willi, "das Dürresje", gespielt von Steffen Schneewind, und seine gut gebaute Frau Tante Anna (Patricia Reuter) lassen keine Gelegenheit aus, um sich gegenseitig auf ihre schlechten Eigenschaften aufmerksam zu machen.

Die schlanke Bekannte Gerda, gespielt von Louisa Spiekermann, achtet während dem Essen immer auf ihre Figur und stößt damit bei Tante Anna auf Unverständnis. Auch ihre extravagante und hochgestochene Art lässt die Familie über sie herziehen. Ihr Mann Manfred (Martin Stache) traut sich erst nach einigen Schnäpsen etwas zu sagen und sich gegen seine dominante Frau durchzusetzen. Die Cousine Hannelore, dargestellt von Frederike Müller-Späth, wurde kürzlich von ihrem Mann betrogen und muss sich während der Konfirmation durch den Alkohol von ihren Leiden ablenken.

Mit den fünf Akten kommen nicht nur immer wieder verschiedene Speisen auf den Bühnentisch, sondern auch immer mehr Alkohol. So steigt der Pegel schnell und führt zu weiteren kuriosen Gesprächen, die letztlich im melancholischen Erinnerungsschwelgen enden.

Ohne besondere Aufmerksamkeit geht sein Ehrentag zu Ende und Fritz muss ins Bett, während seine Familie fröhlich weiter feiert. Auch Oma Irmi, gespielt von Kira Sturm, und der Cousin Peter (Kevin Ernst) gehören zu den Gästen.

Das Publikum war begeistert von der Aufführung, weil es so herrlich normal war. Diese Konfirmationssituation könnte man wohl in vielen rheinhessischen Familien so vorfinden - und das macht die Satire perfekt.

Unter dem Schülerensemble stach Patricia Reuter mit ihrer Darstellung der dicken Tante Anna, die sich trotz ihrer Pfunde "sauwohl" fühlt, heraus.

Regie führten die beiden Deutschlehrer des SGG, Karoline Daum und Micha B.Rudolph.

Bei der Konfirmationsfeier wurde zu Tisch über die heutige Jugend debattiert.Foto: hbz/Kristina SchäferVergrößern

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