Polizei stoppt Party im Gaulsheimer "Mad Club" / Wirtin bestreitet Vorwürfe: überzogene Aktion
(ahe). Kürzlich veranstaltete der Abi-Jahrgang 2009 des Stefan-George-Gymnasiums (SGG) im "Mad Club" in Gaulsheim eine so genannte Vorfinanzierungs-Party (Vofi). Aufgrund von steigendem Alkoholkonsum der Jugendlichen bei öffentlichen Veranstaltungen wurde vom Ordnungsamt in Zusammenarbeit mit der Polizei vergangenen Herbst beschlossen, häufiger Kontrollen durchzuführen. Um etwa 23 Uhr wurde dann die laufende Party durch das Ordnungsamt und die Polizei nicht nur kontrolliert, sondern auch gestoppt. Der Grund: "Die Veranstalterin hat trotz Verbot Branntwein an Minderjährige ausgeschenkt", erklärt Dieter Rohn, Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung, Recht und Kultur der Stadt. Doch das war noch lange nicht alles: "In den Club passen etwa 240 Personen, maximal. Laut Kassierer wurden an dem Abend aber 500 bis 600 Leute ´reingelassen." Die Betreiberin des Clubs habe jedoch nichts dagegen unternommen, außerdem sei in dem Club geraucht worden, was ebenfalls untersagt gewesen sei. "Das ist unverantwortlich", sagt Rohn. Es sei schon aus früheren Fällen bekannt, dass es mit dem Club Probleme gab, weswegen eine Kontrolle stattgefunden habe. Yvonne Berlenbach, die Club-Besitzerin, ist anderer Meinung: "Es ist eine Frechheit, dass die Stadt so gegen die Jugend arbeitet. Die Schüler versuchen, ihren Abschluss zu finanzieren, und kriegen dann solche Steine in den Weg gelegt." Die 37-Jährige bestreitet die Anschuldigungen, Branntwein an Minderjährige ausgeschenkt und zu viele Besucher in den Club gelassen zu haben: "Es waren 226 Gäste im Club, und laut Ordnungsamt durften nur 180 Leute rein." Aber nachdem sie jedoch 46 Gäste aufgefordert habe, den Club zu verlassen, hätten Polizei und Ordnungsamt weiter nach Fehlern gesucht, ärgert sich die Gastronomin. In ihren 15 Jahren als Gastronomin im Diskothekenbereich habe es nie Probleme oder Anschuldigungen gegeben, versichert Berlenbach. "Das Ordnungsamt und die Polizei haben durch ihr absolutes Fehlverhalten meinen ordentlichen Laden in eine absolute Farce verwandelt." Der Club sei demoliert worden, Polizei und Ordnungsamt hätten "nicht deeskalierend, sondern eskalierend gehandelt", beschwert sich Berlenbach. Auch die Besucher der Party sind empört. Michael Fahl (20), der Gast der Party war, hat sich gemeldet und sagt: "Ich habe vier Euro für den Eintritt bezahlt, dann heißt es, die Garderobe ist geschlossen." Deswegen sei er nach draußen gegangen, um seine Jacke im Auto zu verstauen. "Als ich wieder rein wollte, heißt es: Das Ordnungsamt lässt niemanden mehr rein". Die meisten hätten ohne Jacke mindestens eine halbe Stunde bei einem Grad Celsius in der Kälte gestanden. Das sei nicht nur für ihn ärgerlich. Die Schüler des Abi-Jahrgangs, der die Party veranstaltet hat, wollten der AZ gegenüber keine Auskunft zu dem Vorfall geben.

