Gernot Blume und Julie Spencer präsentieren vor 180 Zuhörern in der Villa Sachsen Vertonungen von Hesse-Texten
bika. Musik, komponiert von Dr. Gernot Blume und gespielt von ihm und seiner Frau Julie Spencer, ist immer ein Genuss. Jetzt kombinierten sie ihr musikalisches Talent mit Hermann Hesses Meisterwerken in einer Vertonung von dessen Gedichten. Stefan-George-Gymnasium und Hildegardisschule hatten gemeinsam die Organisation des Konzerts in der Villa Sachsen übernommen. 180 Zuhörer kamen, unter ihnen die Leiter der beiden Schulen, Birgid Lier-Kories und Reiner Oschwesky, außerdem viele Lehrer und Schüler. Vier Instrumente, Kontrabass, große keltische Harfe, Klavier und Vibraphon sowie ihre Stimmbänder setzten die beiden Ausnahmemusiker ein, um ihre Interpretationen von Hesses Gedichten zu präsentieren. Wie Blume in der Ankündigung schrieb, sei es sein Ziel, "einen Beitrag zur ganz konkreten Erfahrbarkeit von Sinn und Hoffnung zu leisten", die in Hesses Gedichten Thema sind. "Ich selbst habe Hesse in jungen Jahren intensivst verschlungen", erklärte Blume seine Vorliebe für den Literaturnobelpreisträger. Alle 19 Stücke hatte der geborene Binger selbst komponiert. Weder Text- noch Notenblätter konnte man vor Blume finden. "Er kann dieses und unsere Programme mit Rilke- und Heinetexten auswendig", erläuterte seine Frau. Nur eine Woche hatten die beiden für die Vorbereitung des über zweistündingen Konzerts. Schließlich waren sie gerade von einer mehrwöchigen Tour durch die USA, Spencers Heimatland, zurückgekehrt. Dank ihres Könnens merkte man ihnen die kurze Vorbereitung nicht an. Alle Möglichkeiten ihrer Instrumente auskostend, ermöglichten sie es den Zuhörern, Hesse noch intensiver zu erleben. Hesse sei ein "poetischer Sozialarbeiter" erklärte Blume: "Er empfängt vom Göttlichen, Metaphysischen Inspiration und möchte zu den Menschen sprechen." In der Vertonung des Gedichts "Neues Erleben" konnte man diesen metaphysischen Charakterzug wohl am deutlichsten hören: Spencer saß am Klavier, hauchte die Worte wie aus einer anderen Welt ins Mikrofon, summte. Blume hingegen sang klar und kraftvoll. Während "Leb wohl, Frau Welt" hingegen rebellierten Blume und Spencer mit jazzigen Tönen. Dieses Spiel mit den unterschiedlichen Musikrichtungen lobte auch Musikstudentin Laura Guzmán: "Ich bin beeindruckt, wie selbstverständlich die verschiedenen Stilmerkmale der unterschiedlichen musikalischen Bereiche ineinander verschmelzen." "Stufen", das "weltweit meistgelesenste Stück eines deutschen Schriftstellers des 20. Jahrhunderts", wie Blume es ankündigte, krönte den Abend. Gleich zwei Mal war es zu hören. Zunächst nur von den Musikern; in der Zugabe gewannen die Zwei dann das ganze Publikum als Chor für den Refrain.

