Wohnung in ehemaliger Synagoge an Feuerwehr vergeben / Private Iniative stellt Ansprüche
lef. Die Erinnerung an die einst bedeutende jüdische Gemeinde hält der Arbeitskreis Jüdisches Bingen mit großem Engagement aufrecht. Nun hat sich in Bingen eine Initiative um Dorothea Dürsch zusammengetan, die, unabhängig vom Arbeitskreis Jüdisches Bingen, eine jüdische Gemeinschaft entstehen lassen will. Dürsch hat die Idee, einen Ort zu schaffen, an dem jüdische Bürger feiern und beten können. Außerdem denkt sie an Workshops zu jüdischer Tradition und Religionsunterricht für Kinder. Dürsch hat sich nun in einem Brief an Oberbürgermeisterin Collin-Langen gewandt, denn sie hat verfolgt, dass in der ehemaligen Synagoge in der Rochusstraße 10 eine Wohnung frei geworden ist. Dürsch schreibt: "Seit einigen Jahren leben in Bingen wieder jüdische Bürger." Auch wenn sie "selten öffentlich für ihre Interessen" einträten, sei bei den "etwa 60 bis 80 jüdischen Bürgern der Stadt eine Sehnsucht nach einer jüdischen Gemeinschaft" zu spüren. Die Menschen suchten eine Anlaufstelle und eine Chance, jüdisches Leben aufbauen zu können. Dürsch sieht sich und ihre Inititative daher in einer "Anwaltsfunktion." Und Dürsch sagt, sie sei mit ihrem Anliegen nicht allein: "Bisher konnten über 170 Unterstützer aus allen Kreisen der Bevölkerung von Bingen und der Umgebung für diese Initiative gewonnen werden." Die Oberbürgermeisterin jedoch teilt Dürsch in einem Antwortschreiben mit, "dass diese Räume bereits für die Nutzung durch die Freiwillige Feuerwehr Bingen Stadt vorgesehen" sind. Die räumlichen Verhältnisse in der Feuerwache seien schon seit Jahren mehr als beengt und durch gestiegene Anforderungen und Aufgaben sei es dringend notwendig, zusätzlichen Raum zu schaffen. "Deshalb wurde, unmittelbar nachdem die langjährige Mieterin im Mai diesen Jahres verstorben ist, mit den entsprechenden Umbauplanungen begonnen, die mittlerweile zum Abschluss gebracht sind", teilt Collin-Langen mit. Darum stünden diese Räumlichkeiten nicht mehr zur Verfügung. Weiterhin erklärt die Oberbürgermeisterin, die Stadt habe Dürschs Schreiben zum Anlass genommen, zu prüfen, ob es in anderen städtischen Objekten möglich sei, geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Beate Goetz vom Arbeitskreis Jüdisches Bingen weiß, dass die frei gewordenen Räume in der ehemaligen Synagoge an die Feuerwehr gegangen sind. "Der Wunsch, bei der Suche nach einem Raum zu helfen, ist nicht von jüdischen Binger Bürgern an uns herangetragen worden, sondern von Frau Dürsch als Privatperson. Der Arbeitskreis ist gerne bereit, die jüdischen Binger Bürger bei ihren Anliegen zu unterstützen, wenn sie das wollen und kundtun. Auch Frau Dürsch konnte nicht bestätigen, dass sie in dieser Angelegenheit einen Auftrag hat. Allein auf ihre Vermutung hin, wenn ein Raum da wäre, kämen auch Leute, sah der Arbeitskreis keinen Handlungsbedarf." Gleichwohl hatte der Vorsitzende des Arbeitskreises, Dr. Josef Götten, bei der Präsentation des Synagogenmodells im Januar vergangenen Jahres selbst die Hoffnung geäußert, dass der Arbeitskreis langfristig in der ehemaligen Synagoge, an diesem authentischen Ort, "ein Archiv oder gar ein Museum für die Geschichte der Juden in Bingen" unterbringen könnte. Auch das Synagogenmodell könnte dort einen Platz finden. Götten schloss: "Ich meine: Man darf darüber nachdenken."

