Investor GWB ist insolvent
07.07.2012 - BINGEN/HAMBURG
Von Erich Michael Lang
HERTIE-GEBÄUDE Projektentwickler wollen mit neuem Geldgeber weitermachen
Nun heißt es Luft anhalten: Der an der Entwicklung der ehemaligen Hertie-Immobilie lange Zeit interessierte Investor GWB Immobilien aus Hamburg ist insolvent. Das bestätigte auch die Stadtverwaltung nach entsprechender Kontaktaufnahme mit Hamburg gegenüber der AZ.
Licht und Schatten
Zugleich soll erst einmal die Volksweisheit gelten: Wo viel Schatten ist, ist auch viel Licht. Oberbürgermeister Thomas Feser will sich Anfang August mit zwei ehemaligen GWB-Mitarbeitern treffen, die bislang bereits mit dem Hertie-Projekt in Bingen betraut waren und die es auch gerne weiter vorantreiben möchten. Angeblich gebe es neben der nun insolventen GWB einen weiteren Investor, der Interesse bekundet habe. Bei einem der beiden Immobilienmanager handelt es sich nach AZ-Informationen um Dietmar Heitzer, der schon einmal in Bingen das Projekt vorgestellt hatte.
Ob es auch ein gutes Zeichen ist, dass kürzlich der alte Hertieschriftzug an der Ecke zur Basilikastraße verschwand? Nur noch die rote Maus ziert die Ecke des Kaufhausgebäudes. Aber wird es die Zukunft ohne „Hertie“ geben? GWB hatte über zwei Jahre in großer Geduld versucht, handelseinig mit dem Eigentümer zu werden, der im Frühjahr ebenfalls in die Insolvenz ging. War es bis zu diesem Zeitpunkt schon schwierig genug, Ansprechpartner zu finden, wie Heitzer seinerzeit schilderte, so ist seitdem eine praktisch unüberschaubare und unkalkulierbare Situation entstanden. Unklar ist die Zuständigkeit einer niederländischen Insolvenzverwaltung für das Gebäude genauso, wie die Gläubigerforderungen der beteiligten Banken. GWB hatte bereits signalisiert, nur noch bis Ende des Jahres engagiert bleiben zu wollen, weil dann Aufwand und Ertrag nicht mehr im Verhältnis stünden. Die Insolvenz bei GWB ausgelöst hat allerdings Branchenbeobachtern zufolge ein bereits in 2007 gescheitertes Großprojekt. Davon habe sich GWB nie mehr richtig erholt, heißt es.
Allerdings dürfte es einem neuen Investor bei den Verkaufsverhandlungen um das Hertie-Gebäude auch nicht viel anders ergehen als GWB.
Konzertierte Aktion
Die Zeit drängt so oder so, wenn sich tatsächlich noch etwas bewegen soll. Schon lange schwebt aus der Binger Immobilienbranche der Vorwurf im Raum, die Stadt selbst hätte sich viel massiver und intensiver in die Verkaufsverhandlungen einbringen müssen. Es sei nötig, der Eigentümer- und Gläubigerseite die existenziellen Interessen der Stadt an der Entwicklung des Gebäudes zu verdeutlichen.
Oberbürgermeister Thomas Feser kündigt nun einen Vorstoß in einer Art konzertierten Aktion an. Er hat sich mit Neustadt und Idar-Oberstein kurzgeschlossen, um gemeinsam bei den Verkäufern vorstellig zu werden. Die beiden anderen Städte plagen mit ehemaligen Hertie-Immobilien genau die gleichen Probleme wie Bingen. Auch dort herrscht seit Jahren Stillstand, eine städtebauliche Entwicklung kommt nicht voran. Als Türöffner für den Einzelhandel sei die Hertie-Immobilie in Bingen nun mal „Dreh- und Angelpunkt“, so Feser. Zugleich wird in der Verwaltung überlegt, ob es ausreicht, nur rheinland-pfälzische Städte einzubeziehen, oder ob es nicht besser ist, bundesweit alle rund 30 Kommunen, die ein Hertie-Problem haben, einzubeziehen. . kommentar


