Junge Leute dürfen legal zur Spraydose greifen
07.07.2012 - BINGEN
GRAFFITI An Rückseite des alten Bahnhofsgebäudes können Mitglieder der Szene künftig eine Wand besprühen
(red). Das Thema „Graffiti“ wird immer wieder heiß diskutiert. Die Graffitiszene als Subkultur beziehungsweise eigene Kunstform muss stets um ihre Anerkennung kämpfen. Die Legalisierung von ungenutzten Freiflächen in Städten für Graffitikünstler wird von vielen als wichtiger Schritt gesehen, um vor allem jungen Künstlern eine Plattform zu geben und ihr Schaffen aus dem Dunstkreis der Illegalität herauszuheben.
Dank des Engagements der Stadt Bingen, der Stadtjungendpflege, der dem Veranstalterduo „Tieftonkultur“ und dem in Eigenverantwortung geführten Jugendzentrum (JUZ) wurde auf der Rückseite des alten Bahnhofsgebäudes, nahe der Polizeistation, eine große Wandfläche für die Graffitisprayer als legale Bühne freigegeben.
Beim gemeinschaftlichen Sprayen gibt es keine Einschränkungen; jeder kann sich beteiligen und sich gestalterisch austoben. Auch die Tatsache, dass das eigene Werk von kurzer Dauer sein und von einem anderen Künstler übermalt werden kann, gehört zur Graffitiszene dazu. Dabei spielt der Respekt gegenüber den Gleichgesinnten und anderen Künstlern eine große Rolle. So wird die Wand zum Leben erweckt, wächst und verändert sich. Die beteiligten Künstler können sich ein Stück weit in ihren Bildern verwirklichen - die Wand spiegelt die Emotionen, Gedanken und Wünsche der Beteiligten wider. Der Ort ist für jedermann kostenlos zugänglich und der Betrachter soll zum Nachdenken, aber auch Teilnehmen anregt werden.
Startschuss am 28. Juli
Der Startschuss zur Einweihung der legalen Wand fällt am 28. Juli im Rahmen des Four Elements Jams, einer Veranstaltung, die für die vier Grundpfeiler der HipHop Kultur steht (Graffiti, Breakdance, Rap, DJ-ing). Organisiert wird das Event von der „Tieftonkultur“ und dem JUZ Bingen, das schon tags zuvor mit einem „Tag der offenen Tür“ allen Interessierten einen Blick hinter die Kulissen gewährt.
Das gestalterische Konzept wird von Daniel Bretz und Oliver Jung vom Independent Label „Soul Studios“ betreut. So wurde das handillustrierte Logo der Veranstaltung zu einem vierfarbigen Siebdruckposter umgesetzt. Pünktlich zum Jam werden die Verantwortlichen noch eine limitierte T-Shirt-Kollektion herausbringen. Von jedem verkauften Poster oder Shirt wird ein kleiner Beitrag in eine lokale, wohltätige Einrichtung fließen.
Die Organisatoren sind besonders stolz darauf, dass das Event komplett eigenständig und unabhängig ohne Sponsoring von außen durchgeführt auf die Beine gestellt werden kann. Künstler wie Rapmusiker Hiob, Morlockk Dilemma, die Weltuntergäng, Kram aus der Ecke, Luke & Fil, der Beatboxer CleFX, die Breakdancer von der Spezialeinheit, sowie Madmen and the Papas, die DJs O, Lenz, Burning Fingaz und die Graffiti Writer Doe, Down, Dozer, Kasper, Karm, MOS11, Monster, Mind, Noms, Pixeljuice, Panik, Phot, Reys, Samy, Sermon, Soul und Zores feiern im JUZ Bingen ein buntes Festival des kreativen Austausches.


