Stranderlebnis am Rhein in Bingen?
28.06.2012 - BINGEN
Von Erich Michael Lang
Diese letzte Sitzung des Stadtrates vor der Sommerpause am heutigen Donnerstag wird in der Stadtchronik eine hervorgehobene Stellung einnehmen, soll doch der Bürgermeister der Stadt gewählt werden. Als sicher darf die Wahl Ulrich Mönchs (CDU) gelten, da die Fraktionen in der vorangegangenen Sitzung bereits deutliche und mehrheitliche Unterstützung signalisiert hatten (wir berichteten).
Aber auch mit einem sommerlichen Thema wird es das Gremium zu tun bekommen. Die SPD-Fraktion regt in einem Antrag an, im Bereich des Rhein-Nahe-Ecks einen Rheinstrand einzurichten. „In Städten wie Mainz und Koblenz erfreuen sich solche Strände im Sommer großer Beliebtheit“, so Michael Hüttner, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender. Die Terrassenlage und Größe des Rhein-Nahe-Ecks bietet sich aus Sicht der SPD geradezu an und ermögliche auch Spaziergängern und Touristen selbstverständlich die weitere Nutzung.
Touristische Attraktion
Rheinstrände sind in den letzten Jahren tatsächlich entlang des großen Stroms sowohl zu touristischen Attraktionen avanciert als auch zu einer willkommenen Bereicherung für die Bevölkerung, die den Urlaub mit Strandgefühl noch ein wenig in der eigenen Stadt verlängern möchte. Befürworter machen durchaus aber auch soziale Aspekte aus, weil eben das Angebot Entspannung und Urlaubsgefühl am Wasser auch denjenigen sozusagen vor der Haustür ermöglicht werde, die auf teure Urlaubsreisen verzichten müssten.
„Die Resonanz auf die Idee war bisher sehr positiv und die Vorfreude ist groß“, so Sebastian Hamann, SPD-Pressesprecher. Auch interessierte Investoren hätten sich schon gemeldet.
Das ist auch kein Wunder, gelten Rheinstrände doch als gutes Geschäft. Auch die Insider der Binger Gastronomieszene räumen im AZ-Gespräch einem solchen Projekt gute Chancen ein, sofern der Laden professionell geführt werde, was letzthin entlang der Rheinpromenade mit Blick auf andere Unternehmungen aber nicht mehr unbedingt vorausgesetzt werden könne. Entsprechend sind auch andernorts die Konzessionen zum Betrieb von Rheinstränden sehr begehrt. Allerdings könnte, heißt es, ein Rheinstrand in Bingen den schwelenden Konflikt mit der Innenstadt-Gastronomie verschärfen, die seit Jahren schon die Entwicklung am Rheinufer kritisch bewertet und den Exodus der Gäste an den Rhein beklagt.
Die Umsatzentwicklung eines Rheinstrandes in Bingen dürfte sich jedenfalls einem tatsächlichen Badestrand vergleichbar entwickeln. Wermutstropfen der Rheinstrände allenthalben allerdings ist, dass sie eben kein Badestrand im eigentlichen Sinn sind. Sand wird aufgeschüttet, Sonnenschirme und Liegestühle stehen bereit, aber ins Wasser darf keiner. Der Rhein ist als strömungsreicher Fluss und Hauptbinnenschifffahrtsstraße viel zu gefährlich. Manchen noch in trauriger Erinnerung, als 2005 am Rheinstrand in Mainz Kastel ein achtjähriges Mädchen ertrank. Weil aber die Sehnsucht nach dem Wasser groß ist, stellen manche Betreiber auch kleine Pools auf, sofern es der Platz und die Genehmigungslage hergeben. In Bingen, durch das weit vom Ufer entfernt verlaufende Fahrwasser wäre vielleicht sogar eine entsprechend abgetrennte und gesicherte Badezone möglich. Es gibt jedenfalls viel zu prüfen.
„Deshalb beantragen wir, dass die Verwaltung sehr zeitnah Gespräche mit möglichen privaten Investoren führt, um möglichst noch in diesem Sommer unmittelbar nach Rhein in Flammen den Rheinstrand einzurichten“, erklärt Michael Hüttner. . pro & contra


