Wenig Interesse an Hildegard
11.06.2012 - BINGEN
Von Christine Tscherner
TOURISMUS Neue Anlaufstelle in der Schmittstraße verzeichnet zum Auftakt geringe Frequenz
Nichts los: Der Hildegard-Infopoint an der Ecke Schmittstraße/Hasengasse muss noch um Bekanntheit ringen. Flyer liegen aus. Ehrenamtliche schreiben Anregungen in eine Kladde. Ein Besuch sonntagsmittags und ein Stöbern im Infomaterial.
Schwer bepackte Radfahrer kurven am Schaufenster vorbei. „Wo geht’s denn hier zum Rheinradweg?“ Die Gruppe aus dem Siegerland will von der Nahe über einen Abstecher zum Eissalon ins Mittelrheintal. „Hildegard ist doch die Nonne, oder?“ Bekanntheit ja, aber „ehrlich nicht so unser Ding“, lacht die Runde. Sie lässt die Banderole „Land der Hildegard“ links liegen. Freitags, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr am „Hintereingang“ zur Fußgängerzone geöffnet. So präsentiert sich freundlich und mit breiter Schaufensterfront die Informationsstelle. Das Ziel: Eine Anlaufstelle für Gäste bieten, die mehr erfahren wollen über die berühmteste Tochter der Stadt.
Ob Fastenkurse „bei abnehmendem Mond“ oder Kochkurs nach Empfehlungen der Heilkundigen, ob Abendmeditation zur Visionsmusik oder „Wandeln auf dem Weg des Lichts“ - am Tresen gibt’s Ansprechpartner, Verweis und Ratschlag. „Aber leider weder Hildegard-Literatur noch Kräuter zum Kauf.“ So hat es eine Besucherin im ausliegenden Buch hinterlassen.
„Wir können in die gut sortierte Buchhandlung gegenüber verweisen und in die Läden mit Hildegard-Sortiment der Stadt.“ Lioba Neumann, freiwillige Helferin und selbst Ladeninhaberin in der Fußgängerzone, kennt sich aus. Ihr zur Seite steht in der Drei-Stunden-Schicht der erfahrene ehemalige Stadtführer Winfried Arnold.
„Wer zu uns kommt, der hat sich vorher schon gut informiert und ganz gezielte Fragen“, sagt Arnold. Der Standard: An der Wirkungsstätte Rupertsberg gibt’s für Heiligen-Wallfahrer nichts zu sehen. Und der Gewölbekeller hat nur sehr eingeschränkte Öffnungszeiten. „Das ist für Bingen ein echter Fluch“, sagt Arnold.
Mit rührigen Initiativen versucht die Hildegard-Stadt das Manko wett zu machen. Fastenleiterinnen und Ernährungsberater haben Flyer ins Schaufenster gelegt. Das Museum bietet Hildegard-Programm auch für Kinder und die Kreuzschwestern Zugang über Kräuterführungen.
Die Rupertsberger Hildegard-Gesellschaft kündigt ihre Termine im Gewölbe an. Viel Theologisches, Musikalisches und Spirituelles. Zwei Sessel, ein Tisch und ein Monitor mit der Homepage „Land der Hildegard“ stehen bereit. Außerdem der Fahrplan der Köln-Düsseldorfer und der Bingelbahn, Veranstaltungen am Kulturufer und zu den Meisterkonzerten.
„Gäste sagen, wir wären zu dezent“, fasst Lioba Neumann Reaktionen der Vortage zusammen. Füße auf dem Trottoir oder wenigstens Hinweisschilder von der Hasengasse und der Schmittstraße sollten zum Infopoint lotsen. „Kein Bingen-Tourist kommt automatisch hier vorbei und lässt sich inspirieren“, moniert Winfried Arnold die Standortwahl.
Die Stadt der großen Ordensfrau will für den offiziellen Heiligen-Titel im Herbst gewappnet sein. Die Stadtspitze hat am vorvergangenen Wochenende die „Hildegard-Informationsstelle“ in der Schmittstraße 24 eingeweiht. . kommentar


