Binger Scharlachberggelände ist ein Schwerpunkt mit Blick auf Unfallfluchten
27.01.2012 - BINGEN
Von Helena Sender-Petry
Der Klassiker: Rückwärts ausparken, es rumpelt ein wenig, Gummi quietscht auf Blech, da war doch was? Oder doch nicht? Aussteigen und nachschauen? Wird schon nix gewesen sein, die Zeit drängt - und schon ist aus einem unbescholtenen Autofahrer ein Unfallflüchtiger geworden.
„Das ist ein großes Problem, nicht nur in Bingen und Umgebung“, sagt Bernd Gemünden, Leiter der Polizeiinspektion (PI). Auch mit der Aufklärungsquote konnte er nicht zufrieden sein, im Jahr 2010 wurden von 373 Unfallfluchten im Bezirk der PI gerade einmal 177 geklärt, also rund 47 Prozent. Grund genug für Gemünden, hier gegenzusteuern. Polizeikommissarin Melanie Lorscheter wurde beauftragt, ganz genau hinzuschauen und eine Analyse zu erarbeiten. Nun liegt das Ergebnis vor.
Schwerpunkte ermittelt
„Ich habe Strichlisten geführt und dabei herausgefunden, dass die meisten Unfallfluchten am Tag und unter der Woche passieren. Der Donnerstag lag mit 76 Vorfällen an der Spitze“, berichtet die Polizistin. Kurios sei, dass der Samstag mit 40 Unfallfluchten deutlich hinter Mittwoch, Donnerstag und Freitag zurückliege. „Ganz offensichtlich stehen die Fahrer am Wochenende weniger unter Zeitdruck, die Leute haben einfach mehr Zeit für den Einkauf“, fügt der PI-Leiter hinzu. Ein Schwerpunkt bildet eindeutig das Scharlachberggelände mit seinem Supermärkten und Geschäften, wo 2010 alleine 50 Unfallfluchten gezählt wurden. Dabei ist Gemündens „Bauchgefühl“ eindeutig widerlegt, der den Großbereich rund um den Globus in Gensingen bisher im Blick hatte. „Dort waren es 38 Unfallfluchten“, hat Lorscheter ermittelt. Dabei sind es nicht die jungen Autofahrer, die aufs Gas treten, wenn es rumst. Die Senioren übrigens auch nicht. „Die meisten Unfallflüchtigen, die wir ermitteln konnten, sind zwischen 40 und 59 Jahre alt“, sagt Lorscheter. Die Gruppe junger Fahrer ist unauffällig.“
Und welche sind die liebsten Ausreden der Fahrer, die erwischt werden? Lorscheter muss nicht lange überlegen: „Die meisten haben es nicht gemerkt, nichts am anderen Fahrzeug gesehen oder bagatellisieren die Schäden, die sie verursacht haben.“ Ohne Zeugen, 2010 waren es 79, die erfolgreich Hinweise geben konnten, läge die Aufklärungsrate deutlich niedriger. Gemünden: „Zettel zu hinterlassen, ist nicht der richtige Weg. Wer ein anderes Fahrzeug touchiert, sollte in jedem Fall die Polizei holen und den Vorfall aufnehmen lassen.“ Eine Unfallflucht sei kein Kavaliersdelikt und werde mit sieben Punkten in Flensburg, Geldstrafe bis hin zum Führerscheinentzug geahndet.
Ab sofort will die Polizei an den auffälligen Orten mehr Präsenz zeigen und somit präventiv wirken.

