Theater auf Papier
06.06.2011 - BINGEN
FESTIVAL Drei Ensembles stellen Figuren dank Lichteffekten und Akustik plastisch dar
(red). In der Binger Bühne fand das 1. Binger PapiertheaterFestival statt. Unterstützt vom Kultursommer Rheinland Pfalz war es möglich, insgesamt drei Ensembles in die Binger Bühne einzuladen. So sahen die Räumlichkeiten in der Binger Martinsstraße erstmals nicht nur eine sondern drei Bühnen, von denen zwei in den glasverkachelten ehemaligen Weintanks aufgebaut waren.
Den Auftakt machte das Lamiak-Papiertheater, dessen Name sich von dem Stück ableitet, das gegeben wurde: der „Lamiak“ ist eine Sagenfigur aus dem baskischen Kulturkreis, der dort in verschieden Märchen und Sagen sein Unwesen treibt. Mit seiner schaurigen Gestalt und seinem unbeherrschten Auftreten tyrannisiert der Lamiak ein ums andere Mal seine eingeschüchterten Opfer. Die Figur wurde in den kleinen Kulissen durch mannigfaltige Lichteffekte und akustische Spielereien sehr plastisch dargestellt.
Nach einer kurzen Pause war dann das Märchen vom Rübezahl zu sehen, dargeboten vom „Theater am Ring“ aus der Nähe von Nürnberg. Hier spielte eine ganze Familie - Vater, Mutter, Sohn und Tochter - hinter den Papierkulissen. So konnten auch die Stimmen der im Stück vorkommenden Kinder sehr realistisch gesprochen werden. Der „Rübezahl“ hielt sich nicht exakt an die literarische Vorlage, sondern brillierte mit unverhofften Wendungen bis hin zu einem versöhnlichen Ende.
Der Abschluss des gelungen Abends war dann im Bühnenkeller: die Freiburger Pappenspieler mit Mozarts „Zauberflöte“. Eine sehr schöne Umsetzung der Oper mit schnellen Kulissenwechseln. Hierzu wurde eine ausgeklügelte Bühnentechnik verwendet, die es erlaubt die Kulissen - sozusagen im Handumdrehen - für eine neue Szene klar zu machen. Ebenfalls sehr überzeugend die live gespielten zweistimmigen Flötensätze, die eine ganz besondere Atmosphäre in die Binger Bühne zauberten.
Alle drei Ensembles gaben den Zuschauern im Anschluss an die Vorstellung die Gelegenheit, sich die Bühnentechnik der kleinen Theater aus den Nähe anzuschauen.
Am Ende des Abends waren sich Theatermacher, Zuschauer und Veranstalter einig: diese besondere Theaterform war in den Räumen der Binger Bühne bestens aufgehoben. Eine zweite Auflage des PapiertheaterFestivals im nächsten Jahr steht außer Frage.

