„Dörrebacher Bub“ soll vermitteln
16.08.2011 - DÖRREBACH
Von Robert Weimer
LANDESPOLITIK Ministerpräsident Beck holt ehemaligen CDU-Minister Hermann Hill an die Spitze einer Expertenrunde
Er ist offenbar in politischen Kreisen immer noch relativ unbekannt: Professor Dr. jur. Hermann Hill (CDU), der auf Vorschlag von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) die Expertenkommission zur Lösung des aktuellen Konflikts wegen der umstrittenen Fusion des Oberlandesgerichts Koblenz mit dem Oberlandesgericht in Zweibrücken leiten soll. Hill ist im Oktober 1951 in Dörrebach geboren und genießt in Juristenkreisen großen nationalen und internationalen Ruf.
Abitur und Staatsexamen mit Auszeichnung
Seine erste schulische Ausbildung absolvierte er Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre in der hiesigen Volksschule, wo damals das erste bis vierte Schuljahr noch von einer Lehrkraft unterrichtet wurde. Seine Kariere begann mit dem Abitur am Stefan-George-Gymnasium in Bingen. Für das bis dahin an diesem Gymnasium beste Abitur erhielt er den Preis des damaligen Kultusministers Dr. Bernhard Vogel.
Erneut Furore machte er beim achtsemestrigen Studium der Rechtswissenschaft an der Uni Mainz von 1970 bis 1974. Er erzielte das ebenfalls bis dahin beste schriftliche Ergebnis in Rheinland-Pfalz. Das erste juristische Staatsexamen absolvierte er am 21. Januar 1975 mit Prädikat, ebenso war es am 11. August 1977 beim Zweiten.
Während der Semesterferien in seiner Studienzeit legte der strebsame Student und doch ganz bescheiden gebliebene Hermann Hill seine Hände nicht in den Schoß. Zeitweise arbeitete er in der damals anstehenden Flurbereinigung, betätigte sich in Stromberg und Dörrebach als Briefträger, war juristischer Berater beim Weininstitut Mainz, wo auch die Überprüfung von Weinanzeigen anstand, erstellte damals sogar ein Gutachten über den Rechtsstatus der Deutschen Weinkönigin und sammelte Erfahrungen bei Weinverkäufen. Nicht zuletzt betätigte er sich auch als Korrekturassistent an der Uni Mainz.
Von 1977 bis 1979 arbeitete Hill als Referent in seinem Forschungsvorhaben der Deutschen Sektion des internationalen Instituts für Verwaltungswissenschaften zu Folgen der Gebietsreform und promovierte am 5. Februar 1979 zum Dr. jur. an der Uni Mainz mit der Arbeit „Die politisch-demokratische Funktion der kommunalen Selbstverwaltung nach der Reform“. Für diese Arbeit wurde er mit dem Preis der Universität Mainz ausgezeichnet.
Weitere Stationen seines Weges waren die Bundesgeschäftsstelle der CDU in Bonn, der Bundesarbeitskreis der Christlich-Demokratischen Juristen (BACDJ) und das Lorenz-von-Stein-Institut für Verwaltungswissenschaften an der Uni Kiel. Seine Habilitation mit Lehrbefugnis erlangte er am 20. Juni 1984 an der Uni Kiel mit der Arbeit „venia legendi - öffentliches Recht und Verwaltungslehre“.
Es folgten Lehrtätigkeiten an den Universitäten Kiel und Heidelberg, bevor er die Berufung an den Hochschulen für Verwaltungswissenschaften und öffentliches Recht in Speyer annahm.
Lehraufträge in mehreren Städten
Hill pendelte in den von ihm selbst so bezeichneten Wanderjahren zwischen den Städten Mainz, Bonn, Kiel, Göttingen, Münster, Heidelberg, Speyer und seiner Heimatgemeinde Dörrebach hin und her und hat auf diese Weise auch die Rechte der Bundesländer Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen kennen und anzuwenden gelernt. Neben seiner Universitätstätigkeit in Speyer übernahm er auch noch Lehraufträge an politischen und Verwaltungsakademien.
Außerdem löste Hill im Oktober 1989 in Bonn den damaligen rheinland-pfälzischen Minister für Bundesangelegenheiten, Albrecht Martin aus Bad Kreuznach ab, nachdem er zuvor neun Monate in der Bundeszentrale gearbeitet hatte. Heute wohnt Hill in Speyer, wo er an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften tätig ist.
In Dörrebach und Stromberg ist Hermann Hill noch als aktiver Fußballer und Tischtennisspieler bekannt. Er war mehrmals Amtspokalsieger und im Tischtennis in seiner Klasse sogar einmal Kreissieger. 1987 hatte er beim 75jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr die Schirmherrschaft übernommen. Den Kontakt zu seiner Heimatgemeinde hält er trotz seiner knapp bemessenen Zeit soweit wie möglich aufrecht. Seine Mutter Elfriede, die mit seiner Schwester Maria im Haus der Vorfahren in Dörrebach wohnt, erinnerte sich in einem Gespräch mit der AZ mit großer Freude an den April dieses Jahres. Hermann Hill gehörte zu den Goldenen Kommunionjubilaren.

