Von Robert Weimer
Auf dem Kandrich stehen schon lange Windräder anstelle von Raketen
DAXWEILER Wo früher auf dem 637 Meter hohen Kandrich im Ingelheimer Wald acht Patriot-Raketen der Amerikaner auf feindliche Flugobjekte lauerten, wird seit August 1999 auf friedliche Weise von der Firma GEDEA mit Enercon Windmühlen-Strom erzeugt.
Die Infrastruktur wie Zuwegung, Strom, Wasser, Abwasser und Elektroanschluss waren von den Amerikanern gelegt worden. Dass sich diese Kuppel aber auch für Stromerzeugung durch Windmühlen eignet, hatten Windmessungen ergeben. Seit August 1999 wird von der Windkraftanlage Kandrich I Strom ins Netz gespeist. Die Anlage hat eine Nabenhöhe von 67 Metern und einen Rotordurchmesser von 66 Metern, was eine Gesamthöhe von 100 Metern ergibt. Die Maximalleistung dieser Anlage liegt bei 1,5 Megawatt (MW). Die Anlage produzierte so erfolgreich, dass schon im Oktober 2000 Kandrich II in fast gleicher Dimension, allerdings mit einer 1,8 MW-Leistung, ans Netz gehen konnte. Beide Anlagen produzieren seitdem jährlich zusammen rund sechs Millionen Kilowattstunden sauberen Strom. Die Entwicklung ging weiter: Im Oktober 2005 ging Kandrich III ans Netz, das mit dem neu entwickelten Flügelprofil soviel Strom erzeugt, dass es vom Geschäftsführer Dieter Schäfer als das Paradestück auf dem Kandrich bezeichnet wurde. Bei einer Nabenhöhe von 113 Metern und einem Rotordurchmesser von 71 Metern erreicht sie eine Gesamthöhe von 148,5 Meter. Ihre Maximalleistung liegt bei 2,0 MW. Der höhere Turm gleicht nicht nur die tiefere topographische Lage aus, sondern sorgt auch für eine verbesserte Windströmung und höhere Windgeschwindigkeit. Wie sich der technische Fortschritt auch in der Windproduktion auswirkt, zeigte Dieter Schäfer anhand der Produktionszahlen: 2007 hat Kandrich I 3408137 Kilowatt pro Stunde (KWh), Kandrich II 3847338 KWh und Kandrich III 6090075 KWh erzeugt. Die beiden vorgesehenen Standorte für zwei weitere Windkrafträder liegen außerhalb des ehemaligen Militärgeländes. Deshalb ist eine Fortschreibung des Flächennutzungsplanes der VG Stromberg erforderlich, die allerdings die Kreisverwaltung Bad Kreuznach versagt hat. Die Angelegenheit ist damit nicht vom Tisch. Der Verbandsgemeinderat hat einen neuen Anlauf genommen und Dieter Schäfer erinnerte daran, dass der Nutzen der noch geplanten beiden Anlagen mehr als doppelt so groß ist wie bei den bisherigen drei und die zusätzliche optische Beeinflussung im Verhältnis zum Nutzen vergleichsweise gering ist. Das Interesse am "Tag des offenen Windrades" war groß. Ein Shuttleverkehr von der Emmerichshütte zum Schanzerkopf war eingerichtet. Kandrich III war im Eingangsbereich geöffnet, wo sich die Besucher über die Arbeitsweise der Windmühle informieren konnten. Der Jugendförderverein Daxweiler war sogar mit Pferden, einem Esel und einem Ziegenbock zum Kandrich spaziert, wo man auch die von den "biologischen Rasenmähern" der Schäferei Böttge aus Daxweiler gepflegte Borstengrasfläche in Augenschein nehmen konnte.

