Ein Konzertabend voller Überraschungen
19.04.2010 - WALLHAUSEN
Von Christine Jäckel
KREISCHORKONZERT Straffes Programm mit 13 Chören / Ausgefallene Liedauswahl / Gastgeber MGV Concordia
So ein Kreischorkonzert hat immer etwas Überraschendes, unterstrich Heinz-Michael Eckes, Vorsitzender des gastgebenden Vereins MGV Concordia, bei der Begrüßung der Gäste in der gesteckt vollen Gräfenbachtalhalle. Die Überraschung steckt nicht nur in der Zusammenstellung der Chöre für den Konzertabend, die per Losentscheid fällt, sondern auch in der anschließenden Phase, wenn die Teilnahme verbindlich festgezurrt werden soll.
So hatte auch der MGV zunächst einige Absagen erhalten und bei befreundeten Chören um Aushilfe nachgefragt, und prompt waren dann doch fast alle gekommen. Das ergab ein straffes Programm mit zwölf, beziehungsweise genau genommen dreizehn Chören. Denn der Männergesangverein vom Soon Spabrücken und der MGV Edelweiß Dalberg hatten sich für das Kreischorkonzert vorgenommen, etwas Besonderes zu präsentieren, was ihnen mit dem eindrucksvollen 40-köpfigen Projektchor unter der Leitung von Burkhard Hoepp auch gelang. Es gab noch weitere Überraschungen an diesem Chorkonzertabend hinsichtlich der Liedauswahl der Chöre, was auch zeigte, das bei den schon vielfach totgesagten Gesangsformationen keineswegs Stillstand angesagt ist. Sehr munter gestaltete der gastgebende Chor den Auftakt mit dem Udo-Jürgens-Hit „Griechischer Wein“ und der bekannten „Seemann“-Melodie. Den humoristischen Kontrapunkt dazu bildete das gleichfalls souverän vorgetragene „Laß mich dein Badewasser schlürfen“ von den Comedian Harmonists.
Der MGV Liederkranz Bad Sobernheim unterhielt mit dem flotten „Frei-Weg-Marsch“ und meisterte auch die ungestüme Tarantella Siziliana ebenso sicher wie das lyrische „Liebe blüht wie eine Rose“, bei dem Chorleiter Gerhard Wöllstein kein Klavier einsetzte. Frei weg ohne Notenblatt, aber stets intonationssicher, sangen auch die Mitglieder des Quartettvereins Wallhausen, die mit ihrem Dirigenten Peter Gälweiler und einer geballten Frühlingsbotschaft vom Weißen Flieder bis zu den „Frühlingsboten“ antraten: „Freu dich, der Frühling ist da!“ verschönerte Bruno Engbarth mit einem tollen Solobeitrag. Der Gesangverein Lyra 1920 Norheim ging da noch einen Schritt weiter mit dem Trip zur sonnenflirrenden Copacabana im Wellenrhythmus. Der von Ion Birau geleitete Chor hielt mit seinem Temperament bei den beiden lebhaften Groll-Titeln nicht hinterm Berg und zeigte mit „California Dreaming“ auch Mut, neue Wege zu beschreiten.
Sehr innovationsfreudig gab sich auch „Der Kleine Chor Ebernburg“ unter der Leitung von Thomas J. Scheike, der neben den beiden mit viel Pep vorgetragenen Comedian-Harmonists-Ohrwürmern mit einem Titel der Rockgruppe Rammstein überraschte. Einen ganz sphärischen, aber dennoch mit viel Dynamik unterlegten „Engel“ interpretierte der Kleine Chor und erhielt dafür stürmischen Applaus. Die Gulaschsänger aus Gau-Algesheim rundeten die erste Halbzeit des Kreischorkonzertes mit einem flotten Abba-Medley ab.
Den zweiten Teil des Abends bestritten der MGV Frohsinn Roxheim, der mit Dirigent Ion Birau eine vorwiegend lyrische Auswahl vortrug. Der Gemeinschaftschor der Spabrücker und Dalberger unterhielt mit geistlichen und weltlichen Titeln, und der MGV Edelweiß Mandel präsentierte mit seinem Leiter Bastian Reitze Swing und den wundervollen lautmalerischen „Zottelmarsch“.
Der von Hans-Georg Lüttenberger geleitete Pieroth-Männerchor unterhielt unter anderem mit einem Stück von Heimatkomponist Rudolf Desch und leitete mit „Pasa doble“ zum international ausgerichteten Repertoire des Gesangvereins 1872 Ebernburg über. Klangbilder aus der Neuen Welt und aus dem sonnigen Süden Europas trugen die Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Ion Birau vor. Mit einer sehr schönen Auswahl an stimmungsvollen Liedern wie einem Trinklied von Guiseppe Verdi beendete der MGV Liederkranz Genheim/Waldalgesheim den Konzertabend.

