Diskussion Nationalpark Soonwald: Gegner vermissen Vorteile, Befürworter verlangen Aufklärung
11.02.2012 - SPABRÜCKEN
Von Laura Schöffel
„Wenn man ihn vorher einmal eingeladen hätte, wäre Dr. Griese sicher schon früher in die Verbandsgemeinde Rüdesheim gekommen“, wetterte Ludger Nuphaus, Kreistagsmitglied der Grünen, in der Fragerunde los und setzte oben drauf: „Der Soonwald gehört uns allen.“ Eine Anschuldigung, die der Rüdesheimer VG-Bürgermeister Markus Lüttger (CDU) nicht lange auf sich sitzen ließ. Mehrfach schon habe er dem Staatssekretär in einem Schreiben die Gesprächsbereitschaft signalisiert, vom Ministerium habe man dennoch bis heute nichts gehört.
Zu Wort meldete sich weiterhin ein Mitglied des Kreistages im Rhein-Hunsrück-Kreis und stellte richtig: „Wir haben einem Nationalpark keineswegs zugestimmt, wir haben lediglich ein Grundinteresse bekundet, weil wir keine Informationen hatten.“
Als schwach bis dilettantisch bewertete etwa Peter Salz, Ortsbürgermeister in Schöneberg, die Informationspolitik der Landesregierung, als die Debatte um den Nationalpark ihre Anfänge nahm. Er machte auch ganz klar, dass die Gemeinde selbst mit Fördermitteln des Landes finanziell nicht dazu in der Lage sei, entsprechende Infrastrukturmaßnahmen zu bewerkstelligen. „Wer kommt zuerst, der Tourist, die Henne oder das Ei?“, brachte er seinen Zweifel an künftigen Einnahmen auf den Punkt.
Unscharf fand etwa Michael Prinz zu Salm-Salm die Ausführungen des Staatssekretärs und betonte, dass nach eigener Rechnung mit Wertschöpfungsverlusten in Höhe von 39 Millionen Euro zu rechnen sei.
Mit Anhängern der „Initiative Soonwald“ waren auch organisierte Nationalpark-Befürworter in der Halle, die mehr Offenheit für das Thema forderten. Monika Kirschner verlangte mehr Zeit zur Aufklärung. „Die meisten kennen doch nicht einmal den Unterschied zwischen einem Natur- und einem Nationalpark“, betonte Kirschner.
Zum Dialog und dazu, jetzt einem möglichen Nationalpark nicht einfach die Tür zuzuschlagen, rief Dr. Rainer Lauf auf. Infrastrukturmaßnahmen oder die Aufrüstung mit DSL, regionale Entwicklungsperspektiven allgemein hätten möglicherweise mit einem Nationalpark bessere Bedingungen, betonte Lauf. Die nun entstandene Polarisierung sei Schuld der Landesregierung, die anfangs durch das wahrgenommene Zeitlimit zu viel Druck gemacht habe.

