Die pure Lust am Singen
30.04.2010 - RÜDESHEIM
Von Christine Jäckel
GRUPPENSINGEN Die Bastionen des deutschen Liedgutes geraten allmählich ins Wanken
„Nur frisch gesungen und alles wird wieder gut!” - So einfach kann das Leben (für Sänger) manchmal sein. Das Zitat aus dem Silcher-Lied, das der Quartettverein Wallhausen beim Gruppensingen der Chorgruppe 7 vortrug, beschreibt bestens die Atmosphäre des Abends.
Die Chöre sind im Umbruch, soviel steht fest, verfrüht wäre allerdings ein Abgesang auf die Zeit der Gesangvereine. In der Rosengartenhalle war jedenfalls so etwas wie die pure Lust am Singen zu verspüren, bei einem abwechslungsreichen Programm, das vom Gastgeber und Ausrichter, dem Gesangverein 1888 Rüdesheim, eröffnet wurde.
Vorsitzende Monika Bunde übernahm die Begrüßung der Gäste und führte durch das Programm. Die jüngsten Entwicklungen im Rüdesheimer Verein sind denn auch beispielhaft für die gesamte „Branche“: neben dem Traditionschor besteht seit längerem der von Monika Wagner geleitete Jazz-, Pop- und Gospelchor Blue Notes, dessen Repertoire den Vorlieben der jüngeren Sängergeneration entgegen kommt.
Der stürmische Beifall nach dem bunten Mix mit afrikanischer Musik und zeitgenössischen und traditionellen geistlichen Liedern zeigte, die Sängergemeinde selbst hat keine Probleme mit dem Wandel, man erklatschte sich noch eine Zugabe, die mit „Somebody’s knockin’ at your door” gerne gewährt wurde.
Auch ein Dylan-Song ist mal im Repertoire
Es tut sich einiges, auch in den Bastionen des deutschen Liedgutes. In den Männergesangvereinen wie etwa im MGV Liederkranz Schöneberg, wagt man Veränderungen gemäß den Zeilen von Bob Dylan: „Then you better start swimmin‘ or you‘ll sink like a stone, for the times, they are a changin’“. Mit „Die Antwort weiß ganz allein der Wind“, einem anderen Dylan-Titel in der deutschen Übersetzung unterhielten die von Michael Hombach dirigierten Sänger unter anderem. Und wurden postwendend um Zugabe gebeten, die mit „My Way” gerne gewährt wurde.
Ebenso frisch präsentierte aber auch der MGV Frohsinn 1893 Roxheim mit Chorleiter Günter Stauer solche Schätzchen wie den „Mühljung’“, ein Paradebeispiel für die Lebendigkeit des klassischen Repertoires der Männerchöre.
Den Neuanfang haben auch die Chorfreunde Sankt Katharinen gewagt, die Jahreszahl 1951 im Chornamen verweist auf die Wurzeln im Vorgängerverein des MGV. Die von Peter Gälweiler dirigierten Chorfreunde und -freundinnen erhielten viel Applaus für ihre Liedauswahl, zu der unter anderem ein flott und anspruchsvoll arrangiertes „New York, New York“ und das amüsante Lied vom alten Kakadu gehörten.
Den ersten Teil des Konzertes gestalteten neben dem von Rolf Lepnikow geleiteten Gemischten Chor der Gastgeber die Chöre aus dem Gräfenbachtal: der MGV Edelweiß Dalberg (Leitung Burkhard Hoepp), der MGV Concordia Wallhausen (Leitung Johannes Hautz), der Gesangverein Harmonie (Leitung Adolf Ziebart) und der Gesangverein Gutenberg (Leitung Jürgen Heber).

