In Kapuzenshirts musiziert
10.02.2012 - HARGESHEIM
Von Frank Gottschald
KONZERT Junges Ensemble aus dem 40 Grad heißen Brasilien verzichtet auf Stadtrundgang im kalten Kreuznach
Vor der Alfred Delp-Schule herrschten 12 Grad Kälte. Drinnen erklang Musik aus den Subtropen. Die jungen Geiger und Cellisten aus dem südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina hatten in der Aula ihr Publikum gebeten, die Kapuzenshirts beim Konzert anbehalten zu dürfen. Bei ihnen zu Hause seien jetzt 40 Grad Hitze. Dort spielten sie schon luftig gekleidet, nicht aber im frostigen Deutschland.
Es war zwar die dritte Wintertournee des Ensembles durch Europa, aber die Jungen und Mädchen dieser Hochschule für Kunst und Kultur aus Jaraguá do Sul wechseln von Reise zu Reise. Der evangelische Pfarrer Rüdiger Dunkel aus Winzenheim vermittelt alle drei Jahre den Besuch an der Nahe. Als Vorsitzender des Gustav-Adolf-Werkes hatte er im Süden Brasiliens das Jugend-Kammerorchester kennen gelernt.
In Hunsrücker Dialekt begrüßt
Die „Grupo de Camara da SCAR“ gab hierzulande drei Konzerte: in der St. Peter-Kirche Winzenheim, vor den Schülern der Alfred-Delp-Schule in Hargesheim und am Abend für alle Interessierten, die zahlreich erschienen waren. Sie wurden vom Dirigenten Ricardo Feldens überraschenderweise im Hunsrücker Dialekt begrüßt.
Er ist nämlich, wie viele der jungen Orchestermitglieder auch, Nachfahre von Hunsrückern, die vor 150 Jahren nach Brasilien auswanderten. Heute wird der Dialekt der Vorfahren immer noch vermittelt und gepflegt. Die Melodien, die in Winzenheim und Hargesheim erklangen, waren aber heißblütig südamerikanisch. Konzertante Tangos und andere klassische Kompositionen vom Erdteil weit im Westen wurden schwungvoll vorgetragen. Darunter Ohrwürmer wie „El Condor pasa“ oder das Stück über die „Ipanema“, den berühmten Strand von Rio de Janeiro. Solistisch glänzten Jorge César de Aranjo Pires auf der Querflöte und der berühmten Panflöte sowie der Akkordeonspieler Rafael Petry, der virtuose Einlagen bot, für die er prasselnden Beifall erhielt.
Die 30 Jungen und Mädchen nebst Lehrern wurden in ihrer Freizeit zwischen den Konzerten ins Bad Kreuznacher Thermalbad geführt. Auf eine Stadtbesichtigung bei 10 Grad Frost hatten sie verständlicherweise verzichtet. Von Holland kommend, geht es nun nach Ansbach und Trittau. Den sympathischen Musikern aus fernem Lande, die auch Rock- und Filmmusiken aufführten, sei ein Anstieg der Temperaturen in den nächsten Tagen gegönnt, damit der Klimaschock nicht zu groß wird, wenn sie wieder zu Hause in den feuchten Subtropen ankommen.

