Wertvolle Hilfe für Kinderheim
09.06.2012 - BRAUNWEILER
Von Christine Jäckel
JUBILÄUM Braunweiler und Bolivien sind seit 50 Jahren freundschaftlich verbunden
Seit 50 Jahren gibt es ein Band der Freundschaft zwischen dem kleinen Ort im Naheland und Bolivien. Am Fronleichnamstag wurde das Jubiläum mit einem Rückblick, mit lateinamerikanischer Musik und Tanz der Gruppe Eco Latino und mit einer kleinen Fotoausstellung im Heegwaldhaus gefeiert.
Mit dabei waren der emeritierte Trierer Weihbischof Leo Schwarz und Pfarrer Dr. Claus Weber, die beiden in Braunweiler geborenen Seelsorger haben lange Zeit in Bolivien gearbeitet und konnten dabei immer auf die Hilfe aus ihrer Heimat zählen.
Priester reisen nach Sucre
Es begann alles damit, dass der damalige Kaplan Leo Schwarz 1962 mit zwei weiteren Priestern des Bistums Trier die Reise in das Erzbistum Sucre antrat. Zwei Jahre zuvor war die Partnerschaft mit Bolivien gegründet worden. So wurden in Barunweiler nach Schwarz‘ Abreise bald einige aktiv, denn in Bolivien wurde vieles gebraucht.
Der Helferkreis sammelte Sachspenden wie Kleider und Wäsche, die verschickt wurden, oder auch Altpapier und Metall, um von dem Erlös Saatgut, Vieh oder Gerätschaften zu beschaffen. Hedwig Schäfer deutete in ihrem Bericht den nicht geringen Aufwand an, es war einiges an Papierkrieg für die Fracht zu bewältigen und unzählige Stunden beanspruchte auch das Sichten und Sortieren der gespendeten Hilfsgüter, die schließlich seetüchtig verpackt werden mussten.
Als in den 1970er Jahren auch Pastor Claus Weber nach Bolivien ging, rief man ein Weinfest ins Leben, dessen Erlös in die Gemeindearbeit in Bolivien floss. Die Initiative entwickelte viel Fantasie für Hilfsaktionen, bis heute organisieren Elke und Wolfgang Gellweiler, Karin und Hans-Toni Neurohr, Hedwig und Werner Schäfer die Zwetschgenbrand-Aktion und mit einem Kreis von weiteren 35 Helferinnen und Helfern das Schlachtfest und das Fischessen.
Der Erlös ist seit den 1980er Jahren ausschließlich für das Kinderheim Arco Iris in Cochabamba bestimmt. Im Schnitt leben dort 70 Kinder und Jugendliche, die ohne Heimplatz keine Chance auf Schulbesuch oder eine Ausbildung hätten. Inzwischen gibt es schon einige Ehemalige, die sich eine eigene berufliche Existenz aufbauen oder ein Studium abschließen konnten. „War die Aktion gelungen, war das unser schönster Lohn“, zog Hedwig Schäfer Bilanz.
Für ihr Engagement in der Bolivienhilfe wurde sie vor kurzem mit der Verdienstmedaille der Verbandsgemeinde geehrt. Für sie und ihre Mitstreiter bleibt ein Wunsch offen: Da die Mitglieder der Initiative im vorgerückten Alter sind, hofft man darauf, dass sich junge Menschen für die Bolivienhilfe begeistern lassen und die Arbeit fortsetzen.
Leo Schwarz, der 2006 als 74-jähriger seinen Abschied aus dem Amt als Weihbischof von Trier nahm, feierte zum Auftakt des Jubiläums das Festamt mit der Gemeinde. Im Heegwaldhaus berichtete er anschließend den Gästen vom Leben in Chaguaya. In der bolivianischen Gemeinde im Department Tarija verbringt der Seelsorger einen großen Teil des Jahres. Die Region ist das höchste Weinanbaugebiet der Welt, der Vino de altura, der Höhenwein, ist körperreich und aromastark. Wie Leo Schwarz verschmitzt anmerkte, konnte er damit beim Domkapitular - „und das sind Weinkenner“ - schon Ehre einlegen.


