Aufgaben nehmen ständig zu
22.11.2010 - BOCKENAU
Von Reinhard Koch
FEUERWEHR Mitglieder werden dagegen weniger / Finanzierung weiteres Problem
An der Basis der Feuerwehren herrscht eine gewisse Unzufriedenheit und Sorge. Seit Jahren werden den Ehrenamtlichen immer mehr Aufgaben zugeteilt und die Personalsituation ist leicht rückläufig. Deshalb stellt sich die Frage: „Ist das Ehrenamt Feuerwehr noch leistbar?“
Der Kreisfeuerwehrverband lud aus diesem Grund zu einer Podiumsdiskussion ein. Zu Gast waren Innenminister Karl-Peter Bruch, die MdB’s Fritz-Rudolf Körper und Julia Klöckner, MdL Carsten Pörksen, Landrat Franz-Josef Diel, Bürgermeister Wolfgang Zimmer, als Sprecher der Kreisgruppe des Gemeinde- und Städtebundes, und Norbert Jung. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Rolf Haselhorst, dem Leiter der BASF-Werksfeuerwehren.
Dem Kreisfeuerwehrverband gehe es nicht darum, seine Arbeit infrage zu stellen, erklärte Jung, sondern sie zu vereinfachen, veraltete Strukturen aufzubrechen und neue Gedanken in das Ehrenamt zu bringen. Entsprechende Anreize, wie etwa einen Ehrensold wie bei den Bürgermeistern, müssten geboten werden, regte Jung an.
Aufgrund des Personalmangels bei der Jugend und im aktiven Bereich, sieht Kreisfeuerwehrinspekteur (KFI) Werner Hofmann in der Strukturerneuerung der Einheiten dringender Handlungsbedarf. „In den vergangenen Jahren haben sich die Aufgaben der freiwilligen Feuerwehren ständig erhöht.“ Sorgen bereiten ihm zudem die Lehrgänge und die bereits doppelt und dreifach belasteten Kreisausbilder, als Folge des Lehrgangsstaues an der Landesfeuerwehrschule. Mit Bangen schaue er auf das Jahr 2014, wenn die Neuwahlen von Führungsfunktionen anstehen und diese nicht mehr besetzt werden könnten. „Die Spitzenkräfte der Feuerwehr sind am Ende ihrer Leistungsfähigkeit“, betonte Hoffmann. Führungskräfte müssten entlastet und Verwaltungsaufgaben „ausgemistet“ werden.
Ursache für den Mitgliederschwund in den Feuerwehren ist laut Carsten Pörksen die fehlende Bereitschaft, sich für die Gemeinschaft zu engagieren, aber auch das große Angebot an Freizeitgestaltung, etwa durch die Vereine. Fritz-Rudolf Körper empfahl eine bessere Zusammenarbeit und Koordination der Wehren vor Ort, denn das Potenzial werde sich nicht so ohne Weiteres vermehren.
Für Landrat Franz-Josef Diel ist die Finanzierung der Feuerwehren eine „Herkulesaufgabe“ der Verbandsgemeinden. Derzeit würden die Fördervereine mit dafür sorgen, dass die Wehren noch einigermaßen ausgestattet seien. Die hauptberufliche Tätigkeit einiger Funktionen in der Wehr schloss Innenminister Bruch für die Zukunft nicht aus. Die steuerliche Situation für das Ehrenamt würden deutlich verbessert.
„Diese Veranstaltung dürfe keine Eintagsfliege sein“, sagt sich Norbert Jung. „Wir werden den Fortschritt der Problembearbeitung und die Ergebnisse in etwa einem Jahr hinterfragen.“

