Mit großen Einschnitten Arbeitsplätze sichern
13.07.2010 - BAD SOBERNHEIM/BOCKENAU
HAY IG Metall und Geschäftsführung einigen sich auf Sanierungstarifvertrag
(red/els). Die Geschäftsführung der Johann Hay GmbH & Co.KG, die IG Metall und der Betriebsrat des Unternehmens haben sich jetzt auf einen Sanierungstarifvertrag geeinigt. Gemeinsam wollen alle Beteiligten so die Standorte der Firma voran bringen, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Gewerkschaft und des Unternehmens.
„Der Tarifvertrag bietet große Chancen für die Standorte in Bad Sobernheim und Bockenau“, erklärt Edgar Brakhuis von der IG Metall Bad Kreuznach. Insgesamt sind an beiden Standorten etwa 1 200 Mitarbeiter beschäftigt.
Sie verzichten jetzt bis 2013 auf Weihnachts- und Urlaubsgeld und stimmen einer Lohnabsenkung um vier Prozent zu. Dafür verzichtet die Firma Hay ihrerseits auf betriebsbedingte Kündigungen. Zudem erhalten die Beschäftigten ein Mitspracherecht durch einen Beirat und alle zukünftigen tariflichen Lohnerhöhungen werden ausgezahlt.
„Der Einschnitt für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist schon enorm. Doch dafür erhalten wir eine Beschäftigungssicherung und eine Zukunftsperspektive für beide Standorte. In einem solidarischen Geben und Nehmen haben wir Beschäftigung und Einkommen gesichert“, bemerkt Brakhuis. Der Vertrag sei auf gleicher Augenhöhe abgeschlossen worden und sichere Arbeitsplätze in der Region.
Winfried Ott von der Technologie Beratungsstelle und Verhandlungsführer auf Arbeitnehmerseite erklärt: „Der Tarifvertrag ist von allen Seiten praktisch leistbar. Er bietet der Geschäftsführung Planungssicherheit und beinhaltet Elemente zur Verbesserung der Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Zudem wird der Einfluss der Beschäftigten über einen Beirat gesichert.“ Der finanzielle Beitrag der Arbeitnehmer bleibe im Betrieb und könne nicht abfließen, sagt Winfried Ott.
Seit Ende November 2008 hatte sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens verschlechtert. Der Wirtschafkrise folgte eine Krise der Automobilindustrie, weshalb noch Ende vergangenen Jahres Entlassungen bei Hay drohten. Mit einem Bürgschaftsrahmen hatte die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz ermöglicht, dass die Geschäfte weiter gehen konnten.
Zunächst wurden im April dieses Jahres zwei unterschiedliche Sanierungspläne diskutiert. Ein „Mangement Buy Out“, bei dem das Management als Investor auftritt und sein privates Geld investiert oder einen stillen Teilhaber findet - oder eine Sanierung mithilfe der Arbeitnehmer, die jetzt umgesetzt wurde.
Alle Beteiligten würden jetzt optimistisch in die Zukunft blicken, heißt es in der Pressemitteilung.

