Für faire Sanierung kämpfen
10.05.2010 - BOCKENAU
Von Christine Jäckel
HAY Beteiligung eines Investors verworfen / Ruck durch Belegschaft
Die IG-Metall-Mitglieder der Firma Hay wollen weiter für eine faire Sanierung kämpfen. Rund 400 Mitarbeiter kamen zur Versammlung in die Bockenauer Schweiz Halle, um sich über den aktuellen Stand der Verhandlungen zu informieren. Den entscheidenden Schritt ist man aus Sicht der Gewerkschaft noch nicht weiter gekommen, so IG-Metall-Bevollmächtigter Edgar Brakhuis. Noch ist unklar, wer welchen Beitrag bringen muss, wenn die Sanierung nach dem Modell fortgeführt werden soll, dass die Hay-Beschäftigten auf Sonderzahlungen verzichten. Die zweite ins Auge gefasste Variante mit Beteiligung eines Investors wurde von den Banken inzwischen verworfen, sagte Brakhuis. Bis zum 30. Mai wird noch ein weiteres Gespräch zwischen den Banken und der IG Metall geführt.
Es soll noch einmal nachgekartet werden, denn für die Gewerkschaft haben sich die Banken bisher kaum bewegt. „Wir haben deutlich niedrigere Zinsen erwartet,” sagte Wirtschaftsexperte Winfried Ott, der für die Technologie Beratungsstelle Rheinland-Pfalz (TBS) an der Bankenrunde teilgenommen hat. Die etwa 15 Banken würden laut Ott auch bei einem halb so hohen Zinssatz noch einen erheblichen Gewinn realisieren. Außerdem verwies er darauf, dass mehrere Gutachten bestätigen, dass das Unternehmen Hay ein gesunder Betrieb ist und sich bei den Kunden nach wie vor eines sehr guten Rufs erfreut. Das Darlehen sei auch durch die Bürgschaft der Landesregierung gestützt, somit hätten die Banken auf die Darlehenssumme keinerlei Risiko. Für die bisher in die Sanierung eingebundene Unternehmensberatung SMP sieht die IG Metall die Zeit zum Ausscheiden gekommen, da man nicht mehr von einem gesunden Verhältnis von Leistung und Honorierung sprechen könne.
Viel Bewegung hat es dagegen auf der Seite der Hay-Mitarbeiter gegeben, was die Zahl der Gewerkschaftsbeitritte anbelangt. Für den IG-Metall-Bevollmächtigten Brakhuis zeichnet sich da ein deutlicher Ruck ab, außerdem will man mit dem Anliegen einer fairen Sanierung deutlich sichtbar in der Öffentlichkeit auftreten. Es sollen noch weitere Aktionen folgen wie ein Solidaritätsfest auf dem Kornmarkt in Bad Kreuznach. Dabei will man auch den Politikern Gelegenheit geben, Stellung zu nehmen.
Wenn es zu einem Arbeitskampf kommen sollte, werde die Gewerkschaft alles aufbieten, da dieser Betrieb von enormer Bedeutung für die Region sei, betont Michael Pilz von der IG-Metall-Bezirksleitung Frankfurt am Main. „Die Mitglieder der IG-Metall bei Hay werden über jeden Schritt mitentscheiden, es geht ja um ihre Zukunft und darüber hinaus auch um die Zukunft von Gewerbe und Handwerk in der Region,” so Pilz.
Bei der Mitarbeiterversammlung wurde neben der betrieblichen Tarifkommission, die aus allen anwesenden Mitgliedern gewählt wurde, zusätzlich eine kleine Verhandlungskommission gewählt, bestehend aus Betriebsräten und Mitgliedern der IG Metall. Wie Brakhuis und Ott erläuterten, gibt es jetzt zudem einen Beirat, in dem die Arbeitnehmer zu 33,3 Prozent mitentscheiden.
Dem Beirat gehören neben der TBS, der IG-Metall-Bevollmächtigten Brakhuis, die Banken, die Eigentümerfamilie und Professor Dr. Bernd Gottschalk an.

