Montag, 13. Februar 2012 00:32 Uhr
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Allgemeine Zeitung

Langenlonsheim 

Da staunt Herr Hoffmann

10.10.2009 - LANGENLONSHEIM

Von Jens Fink

WERTEVERMITTLUNG Schüler aktualisieren spielerisch Struwwelpeter und Co.

Die im "Struwwelpeter" vor zwei Jahrhunderten vermittelten Werte haben nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Doch unterliegen diese Werte, etwa in der Erziehung, stark dem heutigen Zeitgeist. Inwiefern, dies demonstrierten die jungen Schauspieler der Realschule Plus in ihrer Aufführung "Struwwelpeter aktuell" ebenso eindrucksvoll wie amüsant.

In erfrischend gestalteten Szenen vermittelten sie ein skurriles Aufeinandertreffen von Personen unterschiedlicher Zeitepochen. Allein schon die Art der Kommunikation bereitete dem vor 200 Jahren geborenen Dr. Heinrich Hoffmann Schwierigkeiten, sich drei Teenagern der heutigen Zeit zu vermitteln. Hoffmanns Appell, "Seid artig, dann werdet ihr auch belohnt", stieß bei den Jugendlichen auf Unverständnis. "Wie", fragten sie, "nur das angepasste Mutterkind bekommt etwas oder wie?" Hoffmann, der seine Struwwelpeter-Geschichten mit einem Puppenspiel lebendig werden ließ, konnte auch mit seiner Mahnung, sich im Gegensatz zum Struwwelpeter die Haare schneiden zu lassen, nicht beeindrucken und musste befremdet zwei auf die Bühne stürmende Punks mit Irokesen-Schnitt wahrnehmen.

Auf seine moralisierende Geschichte vom Mohr, den man nicht wegen seiner Hautfarbe diskriminieren dürfe, reagierten die Jugendlichen ebenfalls nicht in seinem Sinne. "Schon wieder so ein Asylant", mokierte sich eines der Mädchen und interpretierte die Textstelle "Die Sonne schien ihm aufs Gehirn" mit den Worten: "Scheinen - ja ein Schein-Asylant". Hoffmann wunderte sich auch darüber, dass Figuren wie sein "Böser Robert", der Tiere quält, in der heutigen Zeit achselzuckend wahrgenommen werden. Wie der junge Mann, der die anderen Jugendlichen einlädt, mit ihm ein Gewalt- Video anzuschauen.

Viel Gelächter provozierte die Geschichte vom Suppenkasper. Hier diskutierte eine Familie am Mittagstisch über den Sinn von Diäten und die vermeintliche Magersucht der Tochter, die am Taschenrechner die Kalorien zählt.

Ihr Bühnen-Spiel verbanden die von Ulrike Roth geleiteten Schüler der Gruppe "Darstellendes Spiel" gekonnt mit einem Puppenspiel, mit dem sie parallel die Erzählungen Dr. Hoffmanns illustrierten. Unter Anleitung von Magdalene Brillmayer hatten die Schüler die Puppen selbst gebastelt. Lang anhaltenden Applaus der begeisterten Zuschauer war der verdiente Lohn für eine gelungene Aufführung.

In ihrer Version vom "Suppenkasper" diskutierten die Schüler über den Sinn von Diäten und gesunder Ernährung. Foto: Jens Fink


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