Keine Scheu vorm Kardinal
19.06.2010 - INGELHEIM
Von Gerhard Grunwald
„Haben Sie sich eigentlich auch für das Amt des Papstes beworben?“ Bernd Herrmann fackelt nicht lange, will es genau wissen. Der junge mutige Mann ist einer von 34 Auszubildenden der Bauunternehmung Karl Gemünden GmbH & Co. KG , die am Donnerstagabend Gelegenheit hatten, persönlich mit Karl Kardinal Lehmann ins Gespräch zu kommen. Der Mainzer Bischof war neben ZDF-Intendant Markus Schächter und weiteren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nach Ingelheim gekommen, anlässlich des diesjährigen Stiftertages der „Stiftung Hoher Dom zu Mainz“. Im Anschluss an die Tagung suchte er den Kontakt zu den angehenden Maurern und kaufmännischen Auszubildenden des Unternehmens.
„Das kann nur jemand machen, der das gar nicht will. Ich würde nie jemand zum Papst wählen, der sich um dieses Amt bewirbt“, gibt Lehmann dem Fragesteller frank und frei Antwort und lacht herzhaft, so wie man ihn kennt. Das Eis ist gebrochen, die jungen Leute und der Kardinal, der so ganz natürlich „rüberkommt“, haben eine Gesprächsebene gefunden, auch wenn schnell deutlich wird, dass der geistliche Würdenträger und die rustikalen Jungs vom Bau in unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten zu Hause sind.
Wissbegierig zeigen sich die Azubis. Welche Aufgaben hat ein Bischof wahrzunehmen? Wie wird man Kardinal und wie sieht konkret ein Arbeitstag in so einem kirchlichen Spitzenamt aus? Der 74 Jahre alte gebürtige Sigmaringer gibt bereitwillig Auskunft, berichtet von seinem stressigen Leben, den vielen Reisen zu Veranstaltungen unterschiedlichster Art.
Schreibtischarbeit: zehn bis zwölf Briefe täglich
Am Mittwoch noch war Lehmann beim Wissenschaftsrat in Berlin, Donnerstagabend bei Gemünden in Ingelheim und am gestrigen Freitag in Wittlich, wo er mit dem Georg-Meistermann-Preis für sein kritisch-konstruktives Eintreten für Demokratie und Meinungsfreiheit ausgezeichnet wurde. „In Kürze geht es dann wieder nach Rom. Zudem habe ich viel Arbeit am Schreibtisch zu erledigen. Zehn bis zwölf Briefe müssen täglich geschrieben, zahllose Urkunden unterzeichnet werden“, berichtet der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.
Vergessen werden darf in diesem Zusammenhang auch nicht das große Engagement des Mainzer Bischofs für den Dom, der im vergangenen Jahr sein 1 000-jähriges Jubiläum feiern konnte. Die 2004 ins Leben gerufene Stiftung „Hoher Dom zu Mainz“, deren Vorsitzender Markus Schächter ist, hat es sich zum Ziel gesetzt, den Fortbestand des Doms ideell und finanziell zu fördern. Viel Geld wird für Renovierungs- und Sanierungsarbeiten benötigt. Weitere Aufgaben sind die Förderung der Ausstattung und der wissenschaftlichen Betreuung des Doms.
637.000 Euro Zustiftungen
Erfreut zeigten sich die Teilnehmer am von Dirk Gemünden ausgerichteten Stiftertag über einen nicht unerheblichen Anstieg des Stiftungskapitals. Im Jubiläumsjahr 2009 wuchs das Vermögen durch Zustiftungen um 637 000 Euro auf nunmehr 1,92 Millionen Euro. Neben zahlreichen kleineren hat es auch größere Zustiftungen gegeben, wie etwa das Benefiz-Dinner im Mainzer Favorite- Hotel mit einem Erlös von rund 160 000 Euro, die Zustiftung der „Welt am Sonntag“ (100 000 Euro), das Benefizspiel Mainz 05 gegen Bayern München (100 000 Euro) und das Benefiz-Golfturnier auf der Anlage des Golfclubs Rheinhessen (45 000 Euro). „Das ist eine erfreuliche Bilanz, die weit über unsere Erwartungen hinausgeht“, sagte Kardinal Lehmann und dankte dem Vorstand, allen Mitgliedern des Stiftungsrates und des Stiftungstages für ihr Engagement.

