Von Gerhard Benz
SYNAGOGE Das Kulturhaus könnte zur reinen Bücherei werden
Die Differenzen, die seit Monaten zwischen einigen Vertretern der Stadt und dem Förderverein Synagoge bestehen, betreffen nicht nur Mehrausgaben zur Nutzung des Hauses Bregenzer. Es geht auch um den Umfang jüdischer Exponate im künftigen Kulturhaus selbst. Das wurde in der Sitzung des Stadtrates deutlich.
Für Michael Greiner gab es früher, zu Bürgermeister Jannecks Zeiten, einen breiten Konsens, auch die vom Förderverein gewünschten Maßnahmen umzusetzen. "Dieser Konsens wurde aufgekündigt", klagte der Chef der SPD-Fraktion. Greiner forderte den Widerspruch des Stadtoberhaupts heraus. Dieser Konsens sei keineswegs aufgekündigt, sagte Dr. Felix Welker, das Gegenteil sei der Fall. Zur Vorbereitung der Einweihung im Mai halte er einen regen Kontakt zum Förderverein. Welker bekannte sich ausdrücklich zur Doppelfunktion der früheren Synagoge: zum einen Bücherei, zum anderen historisches Gebäude. Das Wort Mahnmal fiel nicht.
Die Synagoge wurde 1938 von Sobernheimer Nazis verwüstet und geschändet. Auch darauf will der Förderverein hinweisen, zum Beispiel mit einer Video-Installation, die die Geschichte der jüdischen Gemeinde in der Stadt aufarbeitet. Dies soll in einer kleinen Ecke geschehen, ganz am Rande des Bücherei-Betriebs. An das frühere jüdische Gotteshaus erinnern soll ein Thora-Schrank samt Vorhang, der in seiner ursprünglichen Nische wieder installiert werden soll. Und auf der Empore könnte wieder ein Harmonium stehen, ähnlich dem, das die Nazi-Schergen in der Pogromnacht zu Boden schmetterten.
Nun wird diese Ausstattung ganz oder in Teilen in Frage gestellt. Eine große Rolle spielt dabei das Argument von der Enge des Raumes. So ist Willi Scheer (CDU) aufgefallen, dass der Innenraum nach der Installation des Stahlgerüstes sehr beschränkt wirkt. Das hatten sich viele ganz anders vorgestellt. Nun aber fragt Scheer, ob überhaupt noch Platz sei für die Exponate. Er hat Angst um den Thora-Vorhang, den Kinder, die die Bücherei besuchen, herunterreißen könnten. Auch das Harmonium auf der Empore wird aus Platzgründen in Frage gestellt.
Selbst die Video-Installation, die ein amerikanischer Künstler vorbereitet, ist nicht unumstritten. Der Platz werde für ein Kopiergerät benötigt, heißt es. Doch für manche im Rat sind die Differenzen zwischen Stadt und Förderverein nur auf mangelnde Kommunikation zurückzuführen. So hat Welker festgestellt, dass bei Ratsmitgliedern Emotionen aufkämen, weil sie sich übergangen fühlten. So soll sein Vorgänger Janneck an den Gremien vorbei Zusagen gemacht haben, die jetzt in Frage gestellt werden.
Es könnte aber auch so sein, dass die gewählten Vertreter ohnehin nur wenig zu sagen haben. So wies Beigeordneter Alois Bruckmeier darauf hin, dass die Stadt einen Vertrag eingegangen sei, der dem Förderverein weitreichende Rechte einräume. Dessen Vorsitzender Berkemann habe sich im übrigen immer auf der Grundlage dieses Vertrages bewegt, sagte Bruckmeier.
Das Recht zur Mitgestaltung des Kulturhauses könnte der Förderverein aber leicht auch daraus ableiten, dass er bislang 70000 Euro Spenden in die Restaurierung der ehemaligen Synagoge gesteckt hat: soviel wie die Stadt selbst.

