Von Gert Schatto
Es gibt Diskussionen um die weitere Restaurierung der alten Synagoge in Bad Sobernheim. Sie wird zu einer öffentlichen Bücherei und einem Kulturhaus umgebaut. Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Synagogen-Fördervereins, Hans-E. Berkemann.
Herr Berkemann, fühlen Sie bei der Sanierung der ehemaligen Synagoge einen Stimmungsumschwung in der Stadt?
Das kann ich nicht unbedingt sagen. Es kommt wohl eher daher, dass sich die Machtverhältnisse in der Stadt geändert haben: Vorher hatten wir einen SPD-Stadtbürgermeister, der die Sanierung der ehemaligen Synagoge nicht nur begleitet, sondern massiv betrieben hat. Jetzt hat die CDU das Sagen.
Spüren Sie Ressentiments?
Ja, es gibt Ressentiments, die jetzt wieder aufbrechen. Es gibt Leute, die waren eben nicht immer der Meinung, dass die Synagoge so restauriert werden sollte – und das will man jetzt wohl korrigieren.
Trifft es zu, dass Sie beim Tagesordnungspunkt Synagoge aus einer nichtöffentlichen Bauausschusssitzung hinauskomplimentiert wurden und man Sie beim letzten Bauausschuss zum Ortstermin an der Synagoge sogar gar nicht erst dabei haben wollte?
Das ist richtig.
Wie finden Sie das?
Instinktlos.
Haben Sie denn überhaupt noch Zugang zur Stadtspitze?
Mit Herrn Bruckmeier hatte ich zuletzt ein sehr schönes Gespräch. Ulrich Schug ist frühes Mitglied im Synagogen-Förderverein. Und ich habe auch nicht das Gefühl, dass Bürgermeister Dr. Felix Welker gegen das Projekt Synagoge ist.
Wieso hat er Sie dann nicht zum Ortstermin eingeladen?
Ich nehme an, dass man Druck auf Herrn Welker macht. Einige Leute haben wieder die Lufthoheit an den Stammtischen.
Aber die Zusammenarbeit mit Welkers Vorgänger, Hans-Georg Janneck, lief doch unproblematisch…
Das kann ich nur bestätigen, das lief problemlos, wir haben stets an einem Strick gezogen.
Was sagt man denn im Synagogen-Förderverein zu der aktuellen Diskussion?
Wir – unter den 100 Mitgliedern ist übrigens auch Julia Klöckner – fühlen uns schon etwas schäbig behandelt. Demnächst werden es über 70.000 Euro sein, die wir seit 2002 für die Restaurierung aufgebracht haben. Damit hat die Stadt gerade mal zehn Prozent der 700.000 Euro zu tragen: Denn da ist der überaus großzügige 80-prozentige Zuschuss der Landesregierung, Justizminister Dr. Heinz Georg Bamberger ist ja unser Schirmherr. 60.000 Euro finanzieren Kirchengemeinden und der Förderverein. Und grundsätzlich: Gedenk- und Erinnerungsarbeit ist Sache der Stadt!
Sie müssen sich anhören, die Stadt würde Ihr Hobby finanzieren …
Das ist eine völlige Verdrehung der Tatsachen. Die Synagoge ist kein Hobby eines alten Mannes, sondern Verpflichtung: 1938 trieben hundert Sobernheimer Bürger – keine Auswärtigen – Juden durch die Stadt, zerstörten jüdische Einrichtungen.

