Von Paul Bregenzer
Ausbau zum "Kulturhaus Synagoge" beantragt / AZ-Leser haben mitgespendet
BAD SOBERNHEIM Der Bauantrag ist vor drei Wochen gestellt worden und die Synagogenförderer hoffen nun optimistisch, dass es in Kürze auch grünes Licht gibt für die Renovierung des denkmalgeschützten Gebäudes.
Der Vorstand des Fördervereins Synagoge Sobernheim ist guten Mutes, dass der Verein seinen Ausbaubeitrag von 30000 Euro für die Renovierung des Gebäudes bis dahin zusammen hat. Viel fehlt nicht - auch dank der 4000-Euro-Spende der AZ-Aktion "Leser helfen" und stattlicher Spenden vor allem aus dem Kreis der Familie Marum, lobte Vorsitzender Hans-Eberhard Berkemann. Er zog Jahresbilanz in der Generalversammlung des Vereins. 2007 habe man geknausert, um jeden Euro für die Renovierung zu sparen. Berkemann zeigte die neuesten Ausbaupläne und ist sehr froh, dass die Stadt nun auch das Nachbarhaus erwerben kann. Dies eröffne neben dem "Kulturhaus Synagoge" neue Möglichkeiten für Technikräume, Toilettenanlagen, Stuhllager und mehr. Jedenfalls biete sich so eine "elegante Lösung" an, es brauche nichts kompliziert in den Vorhof konstruiert werden. Veränderungen soll es im Innern der Synagoge geben. Das den Bau stabilisierende und eine zweite Bücherei-Ebene möglich machende Stahlskelett bleibt in den Grundzügen bestehen. Es soll aber nicht weit in den Innenraum ragen, und die Wendeltreppe rückt näher zum Portal an die Westseite. Das lasse den Raum offener erscheinen, findet Berkemann. Das markante Portal des Kultgebäudes erhält eine Tür mit einem breiten und einem schmalen Flügel. Den Bauherrn ist zudem aufgetragen, einen Notausgang zu schaffen. Dieser wird in die Nordfassade gebrochen. Der Vorhof samt Abschluss mit ehernem Zaun soll nach der Renovierung so aussehen, wie es die Juden vor 150 Jahren geplant hatten. Am Eingang soll von Justizminister Heinz Georg Bamberger ein "Renovierungsstein" eingemauert werden, bestückt mit Zeitdokumenten des Jahres 2008, erläuterte der Vorsitzende. Dieser symbolische Akt des Schutzherrn sage: "Jetzt geht´s los!" Berkemanns Rückblick listete drei jüdische Gottesdienste in der Synagoge auf, von Gruppen aus dem Max-Willner-Heim gehalten. Grund- und Hauptschulklassen sowie Gymnasiasten besuchten die Gedenkstätte. Das Haus war auch geöffnet am Europäischen Tag der jüdischen Kultur und am Tag des offenen Denkmals. "Erfreulich guten Besuch" registrierte da Berkemann, der die Besucherzahl in 2007 mit 932 bezifferte, also sei "die 1000er-Marke noch nicht geknackt". Die 100 erreiche man aber bald bei der Mitgliederzahl. Zumindest zwei Ehrenmitglieder mehr hat der Verein jetzt. Berkemann würdigte mit der Mitgliedschaft ehrenhalber das starke journalistische Engagement für die Synagoge von Marion Unger aus Staudernheim und Paul Bregenzer aus Sobernheim. Der verlesene Bericht des erkrankten Kassierers Gottfried Kneib ergab klar, dass der Förderverein finanziell auf gutem Weg ist. Die von Revisor Ernst Fechter beantragte Entlastung des Gesamtvorstands erfolgte einhellig. Ebensolche Abstimmungen konnte Gunter Baudisch als Leiter der Vorstandswahl notieren - glatte Wiederwahl des kompletten Vorstands. Bei der Versammlung im evangelischen Gemeindezentrum hatte Gottfried Kneib ursprünglich über die Sobernheimer Juden im Spätmittelalter referieren wollen. Krankheitshalber musste der illustrierte Vortrag aber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

