Auch im Alter noch Neues lernen
06.09.2010 - BAD SOBERNHEIM
Von Wilhelm Meyer
SENIOREN Felkebad-Residenzen wollen auch in Zukunft helfen, ihre Bewohner geistig fit zu halten
Als Jazz-Brunch war die offizielle Feier zum Jubiläum „25 plus 1“ der beiden Seniorenresidenzen Felkebad konzipiert - Jazz vom Quintett Nightingale und Brunch mit einem überwältigenden Buffet vom Küchenchef. „Mit den Bewohnern haben wir am Tag zuvor noch zudem einmal ohne Zeremoniell gefeiert, mit Zauberei, Musik und einer richtigen Modenschau im improvisierten Café Rose, mit einer Rose auf jedem Tisch“, erzählt Andrea Dunkel-Kurz. Als Leiterin des Sozialkulturellen Dienstes hat sie ein umfangreiches Beschäftigungsangebot in der Residenz mit aufgebaut. Besonders wichtig ist ihr die Zusammenarbeit mit den zahlreichen ehrenamtlichen Kräften.
Unterjüngung ist eigentliches Problem
Wie wichtig die permanente Verzahnung mit alltäglichen Lebensbereichen gerade im Alter werde, machte Hajo Hoffmann, Vorsitzender des Zukunftsbeirats der Pro Seniore in einem kleinen Begrüßungsvortrag deutlich. Er geißelte das Wort von der Überalterung. Wie könne man klagen darüber, dass es gelänge dem Traum nach einem langen und ausgefüllten Leben näher zu kommen. Das Problem sei, dass wir unterjüngen, nicht überaltern. So nebenher erledigte Hoffmann einige der Thesen, die aktuell mit den Äußerungen des Bundesbankvorstands Thilo Sarrazin in die Diskussion geraten sind. Es sei einfach nicht Stand der Wissenschaft, was Sarrazin behaupte. Nicht die Gene selbst, so der Stand der Wissenschaft, spiele für die Entwicklung die differenzierende Rolle. Die Unterschiede seien da verschwindend gering. Vielmehr hinge es von zahlreichen Faktoren ab, ob sie angeschaltet oder stumm blieben. Gene seien nicht starr, sondern ein Leben lang formbar. Das sei die Erkenntnis der Epigenetik. Und das zeige sich durchaus noch im hohen Alter. Um Neues zu lernen sei es nie zu spät, betonte Hoffmann. Die Residenzen der Pro Seniore würden ihren Bewohnern ein lebenslanges Lernen und damit ein menschenwürdiges Altern ermöglichen.
Auch Fritz Rudolf Körper (MdB) betonte, dass der demographische Wandel auch Chancen biete. Max Schütt vertrat mit seinem Grußwort als Beigeordneter des Landkreises den Landrat, Robert Nicolay seinerseits den VG-Bürgermeister und für die Stadt grüßte der 1. Beigeordnete und stellvertretende Bürgermeister Alois Bruckmeier knapp und herzlich. Zu einer Benefizaktion zur Gründung einer Therapie-Hundestaffel der Malteser in Bad Sobernheim rief die Leiterin der Residenz, Petra Majowski, auf. So wie Schäferhund Elvis, um den sich Andrea Dunkel-Kurz liebevoll kümmerte, als er zwischen den Stühlen lag. Elvis wurde von Karl-Heinz Koblitz für seinen Dienst in der Altenpflege sorgfältig erzogen. Deshalb hat Majowski ein dickes Lob für die Hunde und ihre Betreuer parat. Die Besuche von Elvis und Leonie, einem Australischen Shepherd, seien aus dem Wochenplan der Residenz nicht mehr wegzudenken. „Sie wecken Lebensgeister der Bewohner und bringen manchmal fast verschüttete Gefühle wieder hervor.“
Ehrenamtliche leisten wichtige Arbeit
Eigentlich gehören die Hunde zu den zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeitern, die für einen lebendigen Austausch der Bewohner mit ihrer Umwelt sorgen. Zum riesigen Angebot an kreativer Beschäftigung tragen aber auch die menschlichen Ehrenamtlichen viel bei.
Hier schließt sich dann auch der Kreis der Überlegungen von Hajo Hoffmann. „Es ist, wenn nicht massive Krankheit den Menschen einschränkt, nie zu spät Neues zu lernen.“ Die Bedingungen dafür zu schaffen, dass auch verschüttete, abgeschaltete Gene aktiviert würden, das sollte, so Hoffman, auch über die nächsten 25 Jahre Aufgabe der Residenz sein.

