Wer will ins Haifischbecken?
19.06.2010 - BAD SOBERNHEIM
Von Gert Schatto
WELKER-NACHFOLGE Parteien haben im Sommer zu tun
Sommerloch? Kennt Bad Sobernheim schon lange nicht mehr. Und 2010 erst recht nicht. Die Parteien der Stadt müssen bis Ende August ihre Kandidaten in Position bringen für die Nachfolge von Bürgermeister Dr. Felix Welker.
Modell Welker ist gescheitert
Eine Vorauswahl steht. Das Modell Welker - pfiffiger junger Quereinsteiger bringt Beruf und Ehrenamt unter einen Hut - gilt als gescheitert. Nicht seine Probleme mit dem Melderecht hätten zum Rückzug geführt, sondern seine Doppelbelastung, heißt es längst in der Stadt. „Das hätte ich ihm auch sofort geglaubt“, sagt etwa Rudi Hill, Chef der FWG.
Die Erkenntnis, dass sich eine 7000 Einwohner-Stadt nicht nebenher leiten lässt, könnte der CDU also Probleme machen bei der Suche nach einem aussichtsreichen Kandidaten - der auch vom Alter her dem Wähler Perspektive vermittelt. Wer da voll im Beruf steht wie Anke Schumann oder Friedrich Wilhelm, dürfte dankend abwinken. Und einen Architekten Axel Hill wird wohl auch die Nähe seines Hauses zu Staudernheim kaum dazu bringen, den Hut in den Ring zu werfen. Marita Ellenbürger wird genannt: Neben dem Charme einer weiblichen Kandidatin hätte sie als Mitarbeiterin der Adenauer-Stiftung am ehesten die Möglichkeiten, Termine frei zu koordinieren.
Wie einfach hat es da die FWG. Alois Bruckmeier würde sofort antreten, wenn seine FWG ihn ruft. Der Liegenschaftsdezernent hat sich gut eingearbeitet, gilt vielen in der Stadt als Draht ins Rathaus. Doch, so wird gefragt: Ist der sensible Bayer der Richtige, um sich im Haifischbecken Stadtrat zu behaupten?
Michael Greiner gilt als gesetzt
Michael Greiner fühlte sich da schon vor einem Jahr gewappnet, bevor er die Wahl gegen Welker verlor. Das Image der Verlierers haftet dem SPD-Fraktionssprecher gleichwohl nicht an: Gegen das, was im Stadthaus unter SPD-Regie über Jahre angerichtet worden war, kam der sachliche Greiner nicht an. Nun, auch nach einem Jahr in der bitteren Opposition, gilt Greiner als der starke Mann der Bad Sobernheimer Sozialdemokraten.
Tritt Greiner an und wird er gewählt, dürfte es munter werden im Stadtrat: ein Bürgermeister aus der bisherigen Opposition, die Mehrheit der bisherigen Regierungsparteien CDU, FWG und Grünen nicht nur gegen sich, sondern auch noch im Stadtvorstand hautnah dabei. Dieses Szenario fürchten jene in Bad Sobernheim, die Neuwahlen auch des Stadtrates deshalb für die sauberste Lösung halten.
Dass die Grünen Welker beerben wollen, ist kaum zu erwarten. Die Ökopaxe, politisch längst nur noch ein Schatten früherer Jahre, dürften heilfroh sein, mit Ulrich Schug bereits einen Mann im Stadtvorstand zu haben.
Dass die FDP einen Kandidaten nennen wird, steht in Bad Sobernheim außer Zweifel. Wer einen Carsten Dierks in seinen Reihen hat...

