11. Februar 2012 13:39 Uhr
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Allgemeine Zeitung

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Bad Sobernheim 

Nach vielem Reden auch gehandelt

31.05.2010 - BAD SOBERNHEIM

Von Wilhelm Meyer

EINWEIHUNG Ehemalige Synagoge als Kulturhaus eingeweiht / Hoffen auf langfristige Unterstützung der Stadt

Nur ein Erinnern, das uns sage, was noch zu tun ist, sei fruchtbar, zitierte Justizminister Dr. Heinz Georg Bamberger den Philosophen Ernst Bloch. Wenn das so ist, dann wussten die beiden Pfarrer Christian Wenzel und Günther Hardt, Mitglieder des Fördervereins Synagoge Sobernheim und Mitglieder der ersten Stunde, haargenau, was noch zu tun sei. „Wir sind zuversichtlich“, sagten sie in ihren gemeinsamen Worten, „dass der Stadtrat auch künftig die nötigen Mittel zur ständigen Pflege und zum weiteren Erhalt des Kulturhauses Synagoge bereitstellen wird“. Und weiter hieß es, indem die Zuversicht zur Gewissheit wurde: „So arbeiten wir also gemeinsam weiter zum Besten dieser Stadt.“

Vielfacher Dank des Ministers, unter dessen Schirmherrschaft das Projekt Kulturhaus Synagoge seit Langem steht, ging an die vielen, die am Gelingen mitgearbeitet hatten, im Besonderen freilich an den Vorsitzenden des Fördervereins, Hans Eberhard Berkemann, dessen Mut, Klugheit und Beharrlichkeit an entscheidenden Punkten die rechten Weichen gestellt habe. In die Freude über das Gelingen einer Arbeit, die mit der Einweihung des Kulturhauses nach nahezu 30 Jahren, einen ersten positiven Abschluss fand, mischte sich auch Entsetzen und Betroffenheit nach dem Anschlag auf die Synagoge in Worms. Schämen müssten wir uns, dass auch heute nach 65 Jahren noch jüdischer Gottesdienst unter Polizeischutz stattfinden müsse.

Vielfache Worte des Dankes fand auch Berkemann. Und darunter fand auch ganz persönlicher Dank seinen Ausdruck. Dank an seine Frau, die ihn immer gestützt und gefordert habe. „Rede nicht nur, mach’ auch etwas!“ Auch stolz, sei er auf das bislang Erreichte, sagte Berkemann und gab seinem Wunsch Ausdruck, dass dieser Stolz auf die gesamte Bad Sobernheimer Bevölkerung übergreifen möge.

Stellvertretend für all die Nachfahren der ehemaligen Sobernheimer jüdischen Familien Marum und Ostermann, die aus den USA, Israel und anderen Enden der Welt angereist waren, fasste Dr. Kathrin Krakauer sichtlich gerührt die Gefühle der Familienmitglieder in Worte. Beim Blick auf die Synagoge sei es ihr, als schaue sie in einen Spiegel, und im Spiegel sehe sie wie ihre Vorfahren, Mutter und Großmutter ihr über die Schulter schauten.

Krakauer, Enkelin von Alfred Marum, hatte eine der früher acht Bad Sobernheimer Thora-Rollen aus den USA an ihre angestammte Stelle, die ehemalige Synagoge zurück gebracht. Sie waren in der Pogromnacht geschändet, zerrissen und in den Dreck geworfen worden. Ein gläubiger Jude rettete sie und ein freundlich gesonnener Christ vergrub und verwahrte sie. Er war es auch, der dem vor den Nazis in die USA geflohenen Alfred Marum, als er als amerikanischer Soldat 1948 in seine Heimat Sobernheim zurückkehrte, die Rollen übergab.

Mahnend die Worte von Dr. Peter Waldmann, der deutlich machte, dass auch Zeichen der Versöhnung, wie das Projekt Kulturhaus Synagoge, nicht darüber hinwegtäuschen könnten, dass die Hoffnungen der Assimilation spätestens in Auschwitz verbrannt sind. Die Liebe der Juden zu Deutschland, wie sie Heine in seine traurig melancholischen Worte gefasst habe, sei einseitig geblieben und von den Deutschen nie erwidert worden. Das deutsche Judentum, an das die Sobernheimer Synagoge erinnere, sei Vergangenheit. Aber es gebe sehr wohl hoffnungsvolle Zeichen eines neuen jüdischen Lebens in Deutschland.

Um Hans Eberhard Berkemann versammelt waren Nachfahren der ermordeten oder aus Sobernheim vertriebenen Familien Marum und Ostermann aus vielen Teilen der Welt gekommen.	Fotos: Wilhelm Meyer

Um Hans Eberhard Berkemann versammelt waren Nachfahren der ermordeten oder aus Sobernheim vertriebenen Familien Marum und Ostermann aus vielen Teilen der Welt gekommen. Fotos: Wilhelm MeyerVergrößern

DANACH
Nach dem Festakt zogen die Besucher zur Synagoge, die sich nach Zeiten der Baustellen und Absperrungen erstmals selbst festlich zeigte.

Mit Hilfe von Emil Hössler hatte Stadtbeigeordneter Alois Bruckmeier für festlichen Blumenschmuck und ein einladendes Umfeld im Saal und um das Kulturhaus Synagoge gesorgt.

Dort konnten die meisten Besucher das erste Mal die Thora-Rolle und die von Ted Efremoff eingerichtete Videoinstallation besehen.
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