Synagogenfeier im Kaisersaal
29.05.2010 - BAD SOBERNHEIM
EINWEIHUNG Eine der Thora-Rollen kehrt am Sonntag zurück
(ttt). Der Stadtbürgermeister hatte eingeladen. Und alle waren gekommen. Die beiden Pfarrer Günter Hardt und Christian Wenzel, Hans E. Berkemann als Vorsitzender des Synagogen-Fördervereins, Planer Uwe Auweiler, die Presse und Videokünstler Ted Efremoff. Alle saßen in der Synagoge und wollten von Stadtbürgermeister Dr. Felix Welker (CDU) wissen, wie und wo am morgigen Sonntag bei diesem unzuverlässigen Wetter die Einweihung des ehemaligen Gotteshauses begangen werden soll. Wer nicht kam, war der Stadtbürgermeister. Auch Auweilers Versuch, Welker über Handy zu erreichen, blieb ohne Erfolg.
Auf Anfrage der AZ erklärte Welker tags drauf, wie er sich die Einweihung denkt. Zuerst treffen sich geladene Gäste zum Mittagessen im Max Willner-Heim. Der öffentliche Festakt ist um 15 Uhr gedacht - nicht an der Synagoge, wo ursprünglich ein Zelt aufgebaut werden sollte, sondern im städtischen Kaisersaal. Nach den Ansprachen und einem kleinen Programm soll die Gesellschaft dann hinüber zur Synagoge gehen, wo sich jeder bei einem Gläschen Sekt und einer Brezel die Synagoge anschauen kann.
Der Beigeordnete Alois Bruckmeier (FWG) hatte in den vergangenen Tagen alles dafür getan, dass die Gäste - immerhin wird Justizminister Bamberger erwartet - nicht auf hässliche Löcher in der Straße blicken müssen.
Berkemann freut sich auf liebe Gäste. Er erwartet etwa Margrit Schneeweiss, Enkelin von Alfred Marum, dem letzten Vorsitzenden der jüdischen Kultusgemeinde. Das herausragende Ereignis zur Einweihung ist für den Vorsitzenden des Synagogenvereins aber, dass am Sonntag eine der acht Thora-Rollen wieder nach Sobernheim zurückfindet.
Bei der Plünderung der Synagoge 1938 hatten Nazis von den Rollen die Silberbeschläge und den Mantel gestohlen. Irgendjemand rettete die Rollen und vergrub sie in einem Garten. Als Alfred Marum, vor den Nazis in die USA geflohen, 1948 in seine Heimat Sobernheim zurückkehrte, wurden die Rollen ihm übergeben. Er nahm einige mit in seine neue Heimat in Amerika. Eine davon bringt seine Enkeltochter Dr. Kathrin Krakauer am Sonntag zurück, sie soll ihren Platz in der Synagoge finden.

