Großes Lob für Ehrenamtliche
14.04.2010 - BAD SOBERNHEIM
Von Gerhard Benz
BIBLIOTHEK In das Kulturhaus Synagoge kehrt jetzt Leben ein / Gestern wurde die Bücherei eröffnet
Nach jahrzehntelanger Vorbereitung und jahrelanger Restaurierung geht das Kulturhaus Synagoge nun seiner Vollendung entgegen. Damit ist dann auch die Zeit gekommen, in der die Akteure mehr oder weniger zufrieden auf ihre Arbeit zurückblicken - und Einweihungen gefeiert werden.
Die große Feier mit 200 Gästen steigt erst am 30. Mai. Gestern nahm nun schon einmal die öffentliche Bücherei ihre Tätigkeit auf, die Stadt und evangelische Kirchengemeinde in den alten Synagogenmauern neu gegründet haben. Für das durchweg gelungene Werk fand der Stadtbürgermeister lobende Worte. Dr. Felix Welker sprach von einem ersten Schritt für das neue Kulturhaus, der mit der Eröffnung der Bibliothek erfolge. 8000 Bücher habe das Team von Gerhard und Jutta Mietzker in die neuen Regale eingeordnet. Der Stadtchef denkt vor allem an Familien mit Kindern, die hier fündig werden könnten. Welker hofft nun, dass die Einrichtung bald angenommen werde. Die Stadt habe bereits Mittel bereitgestellt, um weitere Medien anschaffen zu können.
Die Einrichtung der Bücherei ist komplett. An einem Tisch werden Medien ausgeliehen, an einem anderen Platz zurückgegeben. An den Büchern sind Barcodes angebracht, die eingelesen werden. Somit wird nicht nur der Bestand dokumentiert. Auch auf den beiden für Besucher zugänglichen Computern, wo man nach Titeln und Autoren suchen kann, sofort ersichtlich, ob das Buch ausgeliehen ist oder noch zur Verfügung steht.
Wer könnte das ehrenamtliche Element besser dokumentieren als Anneliese Auweiler, die 24 Jahre der städtischen Bücherei vorstand. Dr. Welker hob die Leistungen von Frau Auweiler hervor und überreichte einen Blumenstrauß in dem Bewusstsein, dass dies nur ein ganz kleines Dankeschön für viele Jahre Engagement sein könne. Anneliese Auweiler wünschte der neuen Bibliothek viel Erfolg und dem Kulturhaus Synagoge alles Gute.
Ihr Sohn, der Bauingenieur Uwe Auweiler, ist deweil guten Mutes, die restlichen Arbeiten im Außenbereich bis zur offiziellen Einweihung am 30. Mai beenden zu können. Die Mauern sind gezogen und werden noch verputzt, das Pflaster kann bald verlegt werden und auch das Geländer am Eingang zur Gymnasialstraße hin werde demnächst montiert, berichtet Auweiler. Dr. Welker ergänzte, dass der zusätzliche Arbeitsraum für die Bücherei-Mitarbeiter im Hause Bregenzer ebenfalls fertiggestellt werde.
Auch die jüdischen Kultgegenstände haben mittlerweile Einzug in die Synagoge gehalten. So ist der Thoraschrank installiert und grau gestrichen worden. Es fehlt jetzt noch der originale Vorhang, der damals von der Haushälterin des Fabrikanten Marum gerettet wurde und nach dem Krieg im Meisenheimer Haus der Begegnung eine neue Heimat fand.
Auf der Empore steht das Harmonium. Um dieses Instrument aus einer Frankfurter Synagoge, gestiftet von der Freikirchlichen Gemeinde im Soonwald, hatte es Debatten gegeben. Jetzt wirkt es fast ein wenig verloren auf der geräumigen Empore.
Pfarrer Christian Wenzel hatte im Konfirmandenunterricht das Thema Synagoge angesprochen. Danach kam er mit den jungen Leuten in die Bibliothek, die dort ihre Eindrücke als gemalte Bilder festhielten. Wenzel zeigte sich sehr zufrieden, das Kulturhaus Synagoge sei zu einem lebendigen Museum geworden. Und es ist ihm wichtig, dass das Erinnern an den Holocaust nicht nur Sache der Kirche sein dürfe, sondern der ganzen Gesellschaft. Dies sei in Bad Sobernheim gelungen.

