Rat räumt dem Gedenken gebührenden Platz ein
20.03.2010 - BAD SOBERNHEIM
Von Gerhard Benz
KULTURHAUS SYNAGOGE Video über Geschichte der Juden in der Stadt wird installiert
Der Stadtrat wird, zum Teil mit großer Mehrheit, dem Gedenken an die frühere jüdische Gemeinde in Bad Sobernheim im Kulturhaus Synagoge einen angemessenen Platz einräumen. Er folgte damit nicht einer Empfehlung des Bauausschusses, der mit den Stimmen von CDU und FWG das Stiftungsangebot einer Nachfahrin der Familie Marum vor Wochen noch ausgeschlagen hatte.
Etwa 10000 Euro habe Dr. Kathrin Krakauer aufgewandt für ein Video über die Geschichte der Juden in Bad Sobernheim, hatte zuvor Hans Eberhard Berkemann dem Rat erläutert. Der Vorsitzende des Fördervereins Synagoge dankte Bürgermeister Dr. Felix Welker für seine Anregung, das Video im Windfang zu installieren und nicht in der Ecke links vom Eingang. Auch Gerhard Mietzker fand viel Gutes an dieser Lösung. Dann könne in der Ecke die Garderobe und noch ein Recherche-Platz eingerichtet werden, kündigte der Leiter der Bücherei an.
Letztlich stimmten, bis auf zwei Enthaltungen, alle Ratsmitglieder (19) der Video-Installation zu. Nur eine Enthaltung gab es bei 20 Ja-Stimmen für den Einbau eines Tora-Schreines in seiner früheren Nische gegenüber dem Eingang.
Ihren Widerstand aufrecht hielten CDU und FWG aber gegen ein Harmonium, das auf der Empore aufgestellt wird. Es wurde gestiftet von der freien Kirchengemeinde am Soonwald und soll an den wütenden Nazi-Mob erinnern, der in der Pogromnacht im November 1938 ein solches Instrument von der Empore warf und zerschmetterte. Nur der Stimme des Bürgermeisters gegen seine Parteifreunde der CDU war es zu verdanken, dass das Harmonium nun doch seinen Platz auf der Empore zurück bekommt.
Zuvor hatte Willi Scheer versucht, den Standpunkt der Christdemokraten zu erläutern. Weil sie vermuten, dass es auf der Empore zu eng werden könnte oder das Harmonium auf Kosten eines Leseplatzes für Bücherei-Besucher gehe, warb der CDU-Fraktionschef für eine Testphase ohne Instrument, das man ja auch noch später aufstellen könne.
Dieser Vorstoß Scheers sorgte allgemein für Verwunderung, da der Büchereileiter kurz zuvor solche Bedenken zerstreut hatte. Die Empore sei breit genug, um ein Harmonium aufzustellen, hatte Mietzker dem Rat versichert. Die geplanten Leseplätze könnten eingerichtet werden. Der Büchereileiter betonte mehrfach, dass die Erinnerungstücke an die jüdische Geschichte in der Stadt "keine Beeinträchtigung für den Büchereibetrieb" mit sich brächten.
Auch Ulrich Schug (Grüne) sprach sich eindeutig für die Installation aller vorgesehenen Erinnerungsstücke aus. "Sie beanspruchen noch nicht mal fünf Quadratmeter Platz", rückte der Beigeordnete die Dimensionen zurecht. Die Synagoge hat eine Grundfläche von rund 130 Quadratmetern, etwa 80 umfasst die Empore. Michael Greiner (SPD) hatte an den Rat appelliert, mit einem eindeutigen Beschluss "zu kitten, was in den vergangenen Monaten an Porzellan zerschlagen wurde". Welker hielt entgegen, dass Schaden nur entstanden sei, weil verantwortungslose Mandatsträger Inhalte aus dem Bauausschuss der Presse zugetragen hätten.

