Sauen können jetzt gefährlich werden
15.03.2010 - BAD SOBERNHEIM
WALD Im März kommen viele Frischlinge
(red). Wildsauen sind keine "Rabenmütter", widerspricht Hegeringleiter Klaus Nieding von der Bad Sobernheimer Jägerschaft einem weit verbreiteten Vorurteil: Sie polstern für ihre Frischlinge das Lager, den so genannten Kessel, mit Gras, Farn und Zweigen aus. In diesem Kessel verbringen die jungen Wildschweine die ersten Lebenswochen.
Die Bache verteidigt ihren Nachwuchs energisch gegen alle Feinde. Dies sind vor allem Füchse, aber eben auch der Mensch. Daher ist besonders zurzeit höchste Vorsicht geboten im Wald, denn im Monat März kommen die meisten Frischlinge zur Welt. "Wer beim Spaziergang einer Bache mit ihren Frischlingen begegnet, muss durchaus mit einem Angriff rechnen", warnt Hegeringleiter Nieding. "Bachen bringen durchaus zwischen 70 und 90 Kilogramm auf die Waage. Da sie von ihren 44 Zähnen gut Gebrauch machen können, kann ihr Biss äußerst schmerzhaft sein." Nieding rät daher dringend, stets respektvollen Abstand bei zufälligem Zusammentreffen zwischen Mensch und Schwarzwild zu halten. "Gerade im Frühjahr gilt daher mehr denn je das Gebot, Feld und Wald nur auf den öffentlichen Wegen zu betreten. Insbesondere Heckenstreifen und Dickungskomplexe sollten gemieden werden, da sich die Wildschweine dort gerne tagsüber einschieben. Die äußerst wehrhaften Schwarzkittel sind für Mensch und Hund eine Bedrohung!" Wer unverhofft zwischen eine Bache und ihre Frischlinge gerät, sollte sich sofort zurückziehen. Durch geräuschvolles Ausatmen - der Jäger spricht von "Blasen" - warnen die Tiere vor einem Angriff.
"Manchmal kommt es auch vor, dass Spaziergänger im Wald scheinbar verwaiste Frischlinge finden. Auch in diesem Fall ist Rückzug oberstes Gebot, denn die Bache wird in der Nähe sein. Auf gar keinen Fall darf man die Frischlinge anfassen, denn das kann dazu führen, dass die Bache sie wegen des Menschengeruchs nicht wieder annimmt. Die Jungtiere würden dann elendig verhungern", rät Hegeringleiter Nieding.
In den ersten zwei Wochen bleiben die Frischlinge in ihrem warmen Nest im Wurfkessel. "Sie sind sehr empfindlich gegen Nässe und Kälte", so Nieding. "Daher kann ein kaltes und nasses Frühjahr den Frischlingsbestand empfindlich reduzieren mit der Folge, dass die Bachen dann meist unterjährig ein zweites Mal rauschig - also empfängnisbereit - werden." Anfänglich kommen die Frischlinge zur besseren Tarnung vor Beutegreifern mit einem längsgestreiften Fell auf die Welt. Diese Streifen verlieren sich im Alter von fünf bis sechs Monaten. Im Normalfall leben mehrere Wildsauen mit ihrem Nachwuchs in Familienverbänden - so genannten "Rotten" -, die stets von der so genannten Leitbache geführt werden.

