Von Gerhard Benz
SYNAGOGE Geschichts-Video abgelehnt
Eine Mehrheit im städtischen Bauausschuss hat sich gegen die Installation eines Videos des russisch-amerikanischen Künstlers Ted Efremoff im Kulturhaus Synagoge ausgesprochen. Der Kurzfilm zeigt die Geschichte der Juden in Bad Sobernheim und wurde finanziert von Dr. Kathrin Krakauer. Die Medizinerin lebt im US-Bundesstaat Massachusetts und ist Nachfahrin der Familie Marum, die in ihrer Strumpffabrik bis zu tausend Menschen Arbeit gegeben hatte.
Die Krakauer-Stiftung ausgeschlagen haben nach AZ-Informationen alle CDU-Mitglieder im Ausschuss: Dr. Jörg Maschtowski, Axel Hill und Peter Öhler. Der Bürgermeister der Stadt, Dr. Felix Welker, der ebenfalls der CDU angehört, soll sich der Stimme enthalten haben. Mittlerweile stehen lediglich noch SPD und Grüne zu den Abmachungen, wie sie bereits vor Jahren zwischen Stadt und Förderverein abgesprochen wurden. Welker soll keinesfalls glücklich mit dem Stimmverhalten seiner Parteifreunde sein. Insgeheim setze das Stadtoberhaupt darauf, dass der Stadtrat letztlich der Empfehlung des Ausschusses nicht folge, sind sich Beobachter sicher. Dafür spreche nicht zuletzt die konstruktive Mitarbeit Welkers bei der Besichtigung der Synagoge. Der Stadtchef selbst habe für die Video-Installation einen Platz im Windfang vorgeschlagen, direkt hinter dem Eingang. Leider konnte die Redaktion Welker nicht befragen, trotz tagelanger Bitten um Rückruf.
Die Vorbereitung der Einweihungsfeier, zu der auch Gäste aus den USA, Israel und Kanada erwartet werden, hat Welker zur Chefsache gemacht. Es könnte aber auch sein, dass die Stadt die Eröffnung des Kulturhauses in sehr viel kleinerem Rahmen wird ausrichten müssen. Denn die Versuche, die frühere Synagoge nur noch als reine Bücherei zu führen und nicht mehr als Gedenkstätte, werden längst landesweit wahrgenommen. So bekam der Stadtbürgermeister kürzlich einen Brief von Dr. Joachim Hahn, Historiker und Pfarrer im Oberkirchenrat in Stuttgart. Er findet die Haltung einiger Kommunalpolitiker in der Stadt "in hohem Maße peinlich, beschämend und erschreckend". Die Diskussion, so fürchtet Hahn, werde nachhaltig dem Ansehen Bad Sobernheims schaden.

