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Bad Sobernheim 

Synagoge dient vor allem dem Gedenken

29.01.2010 - BAD SOBERNHEIM

Von Paul Bregenzer

FÖRDERVEREIN Kulturhaus ist nur in zweiter Linie eine Bücherei / Eröffnungsfest für Mai geplant

Welche Eigenschaft soll das "Kulturhaus Synagoge" künftig prägen? Ist die ehemals jüdische Kultstätte zuförderst eine Stätte des Gedenkens oder bietet sie vor allem der Kultur einen Raum und ist Bücherei? Zur Diskussion kam dies unter "Verschiedenes" in der Jahreshauptversammlung des Fördervereins "Synagoge Sobernheim e.V.". Per Handabstimmung befand eine große Mehrheit, dass die Synagoge vor allem dem Gedenken dienen soll - natürlich mit der Nutzung als Bücherei. Das stelle auch die Intension der vielen Spender dar, namentlich der Nachfahren der jüdischen Familie Marum , betonte der zuvor wiedergewählte Vorsitzende Hans-Eberhard Berkemann.

Im Nachbargebäude der Synagoge, in der Malteserkapelle, fand sich am "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" eine stattliche Anzahl an Förderern zur Jahresbilanz des Vereins ein. Gottfried Kneib und Berkemann erinnerten mit einer Fotoprojektion an den Fortgang der Restaurierungsarbeiten in und an der Synagoge über einen Zeitraum von acht Jahren. Diese Phase geht nun dem Ende zu, für Ende Mai ist die Eröffnungsfeier geplant.

Schatzmeister Kneib konnte mitteilen, dass vor wenigen Wochen 30000 Euro vom Vereinsvermögen an die Stadt gegangen sind. Dieser Betrag ist ein Anteil an den Restaurierungskosten, die vom Land, der Stadt, der Denkmalpflege, den beiden Kirchengemeinden und vom Förderverein getragen werden. Der Verein hat bereits in den Jahren davor weitere 38500 Euro für die Synagoge aufgebracht, vor allem für die laufenden Gebäudekosten, für Gutachten und Planung.

Der Kassenbestand ist nun auf knapp 16000 Euro geschrumpft. Darin enthalten sind von den Marum-Nachfahren für den Thoraschrein gespendete 5000 Euro. Kneib und Berkemann bedankten sich bei allen Beitragszahlern und Spendern. Großspenden, wie die 5000 Euro vom Lions-Club, haben den Einbau der schmucken Tür im Westportal ermöglicht.

Aber nicht nur das Geldsammeln für die Wiederherrichtung dieses markanten Versammlungsraumes der früheren jüdischen Gemeinde in Sobernheim zählt zum Vereinszweck, erläuterte Berkemann. Das Jahr über gebe es einige Gedenkveranstaltungen und Führungen mit Menschen unterschiedlichster Herkunft. So hätten Schüler aus allen Schultypen der Region die Gedenkstätte besucht. Selbst Kinder aus Kindertagesstätten hätten schon ein Gespür dafür, was die Unterschiede zwischen Kirchen, Synagogen und Moscheen sind.

Vom "Max-Willner-Heim" auf dem Nohfels, der Erholungs- und Bildungsstätte der Zentralen Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, kamen etliche Gruppen mit Ferienkindern aber auch Erwachsenen und besuchten die Synagoge.

Gunter Baudisch trug namens der verhinderten Revisoren Dr. Hans-Gert Dhonau und Ernst Fechter das Ergebnis der Kassenprüfung vor. Es gab keine Beanstandungen und so folgte die einhellige Entlastung des Vorstands. Die Wahl ergab die Bestätigung in ihren Ämtern für den Vorsitzenden Berkemann, seinen Stellvertreter Christian Wenzel, Schatzmeister Kneib, Schriftführerin Irma Fechter und die Beisitzer Werner Bohn, Heinz Schmitz und Dr. Hartmut Wilms; Dr. Rainer Lauf wollte aus beruflichen Gründen nicht weiter dem Vorstand angehören. Die Versammlung wählte Ulrich Schug zum Nachfolger - mit ihm, dem Stadtbeigeordneten, ist dann auch die Stadtspitze in der Vereinsführung präsent. Schug denkt, dass nach den im Vorfeld im Stadtrat aufgetretenen Irritationen und unterschiedlichen Interpretationen zum Sinn der Synagoge es gut ist, dass nun zur Stadt ein kurzer Draht besteht und der künftig schneller Klarheit bringt.

Stadtbeigeordneter Alois Bruckmeier vertrat den entschuldigten Bürgermeister Dr. Felix Welker und würdigte namens der Stadt die ideellen, praktischen und finanziellen Leistungen des Fördervereins. Bruckmeier regte an, den Vertrag zwischen Förderverein und Stadt zu aktualisieren.

Nach der Mitgliederversammlung bat Berkemann die Teilnehmer zum kurzen Gang in die Synagoge. Dort sind inzwischen die Holzböden für die Buchregale in das dunkelgrau gestrichene Stahlkorsett eingebaut, liegt Parkett und gibt es einen Windfang am Haupteingang. Der allgemeine Eindruck war, dass die eherne Konstruktion zur Aufnahme der Bücherei und zur statischen Gebäudestabilisierung sehr wuchtig und überdimensioniert wirkt.

Mitglieder des Fördervereins Synagoge besuchten nach der Versammlung das fast fertig restaurierte und mit einer Stahlkonstruktion stabilisierte "Kulturhaus Synagoge". Foto: Paul BregenzerVergrößern

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